IWPS Schnappschuss der Wahl in Palästina 2005
Am Tag der palästinensischen Präsidentschaftswahl besuchten IWPS
Frauen Wahllokale im Bezirk Salfit, um als inoffizielle
Beobachter Stimmung und Probleme rund um die Wahl zu
dokumentierten. Israel hatte die Zusicherungen gemacht, für 72
Stunden während der Wahl Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Wir
bemerkten, dass einige Straßensperren entfernt waren und es für
niemanden Probleme gab, die Wahllokale zu erreichen. Allerdings
war unverminderte Militärpräsenz. Es schienen sogar mehr
"fliegende Checkpoints" auf den Straßen zu sein als sonst.
Großes Gedränge vor den Wahllokalen. Die Palästinensische
Polizei
sorgte an den Türen für Ordnung. Wir wurden aber beruhigt, dass
die Wahlen ruhig verliefen, die Stimmzettel rechtzeitig
angekommen seien und dass jedes Wahllokal in der Früh von
offiziellen Wahlbeobachtern besucht wurde. Zwei Lokale durften
wir betreten und sahen die Kabinen, die Privatsphäre boten. All
das war sehr ermutigend. Die Wahlregeln erlaubten Analphabeten,
einen vertrauenswürdigen Freund oder ein Familienmitglied als
Wahlhilfe mitzubringen. Ein einheimischer Wahlbeobachtet äußerte
den Verdacht, dass diese Frauen durch ihre Männer unter dem
Vorwand des Analphabetismus beeinflusst werden könnten. Mehr als
ein Wähler wies uns darauf hin, dass die Menschenmenge außerhalb
der Wahllokale von Fatah Gruppen geführt würden, die Druck auf
die Wähler ausübten, sollten sie nicht für Fatah wählen.
Die meisten Menschen, die wir befragten, waren sehr wahlfreudig.
Obwohl klar war, dass das Wählen die Besatzung nicht beenden
wird, war es den Leuten wichtig, der Welt ihr Interesse an
Demokratie und Frieden zu signalisieren. Einige hoffen auf
positive Veränderungen und Reformen. Ein DFLP-Unterstützer (Democratic
Front for the Liberation of Palestine) meinte, es wäre wichtig,
dass andere Parteien in der Palästinensischen Autonomie an die
Macht kämen und nicht Fatah alleine an den Hebeln säße. Für
einen Fatahaktivist wiederum ist es wichtig, dass Mahmoud Abbas
ein klares Mandat erzielt, um zu beweisen, dass die meisten
Leute mit der Fatahbewegung übereinstimmen.
Dann gab es jene, die nicht zur Wahl gingen. Sie verurteilten
das
Wahlverfahren als "Witz" und waren überzeugt, die Wahl werde für
sie nichts ändern. Ähnlich dachten jene, welche die Wahl zwar
willkommen hießen, aber glauben, dass die Palästinenser während
der Besatzung keine politische Macht haben, überhaupt etwas zu
verändern.
Kate Bender-Raphael deportiert
IWPS-Frau Kate Bender-Raphael wurde am 14. Dezember 2004
verhaftet, als sie während einer gewaltfreien Demonstration
filmte, wie Soldaten einen Jungen schlugen. Sie wurde
inhaftiert, legte Berufung ein und wartete auf ihre Anhörung.
Das Gericht ließ eine Vorverlegung der Anhörung nicht zu. Im
Gerichtssaal schließlich, weigerte sich der Richter Kate
anzuhören, weil ihr Visum am Tag zuvor abgelaufen war. Kate
wurde am 21. Januar 2005 in die USA abgeschoben. Kate dazu:
"Eine gewaltfreie Menschenrechtsaktivistin einzusperren, bis ihr
Visum abläuft und dann zu sagen, sie habe kein Berufungsrecht,
weil ihr Visum nicht mehr gültig ist, könnte man in einem
totalitären Staat erwarten, aber nicht in einem Land, das sich
als demokratischer Rechtsstaat ausgibt." Mehr können Sie in
Englisch nachlesen:
www.iwps.info
(Kate's BLOG)
In Salfit geht der Mauerbau weiter
Die Bulldozer kamen wieder nach Salfit und baggerten östlich von
der Siedlung Ariel Olivenbäume des Dorfes Iskaka weg. Das Dorf
protestierte mit Demonstrationen und Gebeten - auch mit
Unterstützung von israelischen und internationalen Aktivisten -
gegen den Landraub. Mehr dazu in Englisch sowie Fotos auf
www.iwps.info
- latest news
Und da war noch:
IWPS Volontärinnen kamen aus Australien, Frankreich/Schweiz,
Japan, England, Südafrika. Die Tagebücher der Volontärinnen
können sie auf
www.iwps.info unter "BLOGS" nachlesen.
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