Jahresbericht der Versicherungsanstalt: "Israel wird immer
ärmer"
JERUSALEM (inn) - Fast ein Viertel der israelischen Bevölkerung
lebt
unterhalb der Armutsgrenze. Wie der neue Jahresbericht der
nationalen Versicherungsanstalt zeigt, sind vor allem mehr alte
Menschen als bisher betroffen.
Im Jahr 2003 lebten etwa 1.427.000 Israelis unterhalb der
Armutsgrenze. Dies sind 22,4 Prozent der Bevölkerung. "Israel
wird ärmer und ärmer", sagte der Direktor der
Nationalversicherungsanstalt, Jigal Ben Schalom, bei der
Präsentation des Jahresberichts zur Armut in Israel am Dienstag.
Als unterhalb der Armutsgrenze liegend definiert das Institut
dabei jedes Einkommen, das unter 410 US-Dollar für eine Person
liegt. Bei Paaren liegt die Grenze bei 650 Dollar.
Etwa 652.000 Kinder in Israel können als arm eingestuft werden,
so der Bericht. Das sind 30,8 Prozent aller Kinder im Land.
Hinzu kommen 83.000 alte Menschen. Die Experten gehen davon aus,
dass die Armut in Zukunft weiter zunimmt.
Etwa 360.000 Familien waren von Armut betroffen, dies entspricht
19,3 Prozent der Haushalte. Darunter waren etwa 139.000
Haushalte, in denen eine Person eine Arbeitsstelle hat. Im
Vergleich zum Vorjahr gab es 12.500 mehr Menschen, die zwar eine
Arbeitsstelle hatten, aber dennoch arm waren. Dies ist ein
Anstieg von 10 Prozent.
In arabischen Haushalten erreichte die Armut im vergangenen Jahr
48,4 Prozent. 27,6 Prozent der Familien mit einem Elternteil
lebten unterhalb der Armutsgrenze. Das durchschnittliche
Einkommen der Armen fiel auf 69,5 Prozent der Armutsgrenze. Als
Ursache werden vor allem die Einschnitte in der staatlichen
Altersversorgung gesehen. Während die Renten gleich geblieben
sind, seien die
Preise für Medikamente angestiegen.
Im Vergleich dazu leben in den USA 12,5 Prozent der
Einzelpersonen und etwa 10 Prozent der Familien unter der
Armutsgrenze. Kinder machen dabei 17,6 Prozent der armen
Bevölkerung aus.
In der kommenden Woche will ein Gremium des Obersten
Gerichtshofes über eine Petition beraten, die einen Stopp der
Einschnitte bei der staatlichen Fürsorge verlangt. Bereits jetzt
könnten deren Empfänger nicht mehr in Würde leben, hieß es in
der Begründung.
Finanzminister Benjamin Netanjahu erklärte indes am Montag, dass
die Hilfsgelder unter keinen Umständen auf das alte Level erhöht
werden könnten. Denn andernfalls würden die
Sozialhilfe-Empfänger keinen Anreiz mehr haben, arbeiten zu
gehen. Der einzige Weg, die Armut zu besiegen, sei, dass beide
Elternteile arbeiteten, so Netanjahu.
Das Land könne es sich nicht leisten, dass eine wachsende Zahl
von
Sozialhilfe-Empfängern von Steuern bezahlt werde, die
Arbeitskraft des Landes jedoch sinke. "Heutzutage kann niemand
mehr sagen, es gebe keine Arbeitsstellen", so der Minister. Im
vergangenen Jahr hätten 90.000 zusätzliche Menschen Arbeit
bekommen. Kritiker entgegnen jedoch, dass es sich hierbei vor
allem um kurzfristige Stellen mit geringem Gehalt handelte. (js)
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