Sail Mustafa Ahdad, ein 47-jaehriger Taxifahrer aus Salem bei
Nablus wurde vor drei Tagen von einem Siedler aus der nahe
gelegenen Siedlung Alon More getötet. Der folgende Bericht gibt
wieder, was einer der Augenzeugen miterlebt und uns heute
geschildert hat.
"Sail Mustafa Ahdad ist ein
angesehener und geschätzter Mann aus unserem Dorf. Er war
verheiratet und hat 6 Kinder, zwei sind blind. Er war Taxifahrer
und verdiente so sein Geld, um seine Familie zu! ernähren. Er
ist nie aufgefallen durch politische Aktivitäten, Extremismus
oder Teilnahme am gewaltsamen Widerstand gegen die Besatzung.
Vor drei Tagen fuhr ich mit ihm und vier anderen Fahrgästen von
Nablus in Richtung Beit Dajan. Auf dem Weg mussten wir an einer
Stelle eine Strasse befahren, die oft von Siedlern benutzt wird,
aber keine "klassische" Siedlerstrasse ist. Wir sahen schon aus
der Ferne ein rotes Auto am Straßenrand, dessen Fahrer neben
seinem Fahrzeug stand - ein Siedler. Da die Gegend absolut öd
und unbewohnt ist, besprach ich mich kurz mit dem Fahrer und er
entschied, den Siedler zu fragen, ob dieser vielleicht Hilfe
brauche. Er fuhr langsam heran und als wir ca. 4 Meter von dem
Mann entfernt waren, kurbelte Sail sein Fenster herunter. Das
nächste, was passierte war, dass der Siedler aus ca. 2 Metern
Entfernung auf Sail schoss. Die Kugel durchdrang seinen linken
Arm und bohrte sich in seine Herzgegend. Er lebte noch einen
Augenblick, während dies geschah, hatte er noch seinen Fuß auf
dem Gaspedal, das Auto fuhr also noch langsam weiter. Es gelang
mir, das Auto zum Stehen zu bringen. Wir waren alle aufgebracht,
ich verließ das Auto und sprach den Siedler an. Ich bat ihn,
einen Krankenwagen zu bestellen, der Mann müsse sonst sterben
und er hätte sicherlich ein Handy. Alles was der Mann zu mir
sagte war:" Ich hoffe, das er sterben wird. Das war meine
Absicht und seine Bestimmung.". Er stieg dann in sein Auto und
fuhr weg. Gleich danach kam ein Siedlerkleinbus, der, wie der
Mann in Richtung Siedlung unterwegs war. Ich nötigte den Fahrer
anzuhalten, doch es gelang mir nicht wirklich- der Widerspruch
seiner Fahrgäste war zu groß. Im Endeffekt haben wir dann Sail
auf den Beifahrersitz geschafft und ich habe das Taxi zum
Checkpoint gefahren. Die Soldaten dort nötigten uns noch, den
inzwischen Verstorbenen in ein anderes Taxi zu schaffen. Ich
fuhr ihn dann ins Krankenhaus nach Nablus."
Die Fortsetzung schilderte uns ein anderer in der Runde!
anwesender Mann. "Wir haben natürlich sofort die israelische
Polizei informiert, eine halbe Stunde später wird er verhaftet,
nicht ohne sich vorher noch rasiert und umgezogen zu haben. Er
leugnete zu Beginn, auch nur annähernd in die Tat verwickelt
gewesen zu sein. Da aber alle fünf Augenzeugen einstimmig
widersprachen, gestand er- dies nachdem man ihn an den Tatort
zurück geführt hatte und er sich dort auffällig verhielt. Er gab
aber sogleich an, dass er von dem Taxifahrer bedroht worden war
und in Selbstverteidigung gehandelt habe. Der Fahrer hätte ihn
sonst getötet. Die Polizei nahm ihn daraufhin mit zur
Polizeistation in Ariel, ließ ihn aber kurz darauf frei. Erstens
glaubten sie seiner Version der Notwehr, zweitens stünde ein
jüdischer Feiertag an und man respektiere mit diesem Akt seine
Religiosität. ( Das ist wirklich der Hohn schlechthin.
Unglaublich. Hanan).
Arabische Abgeordnete der israelischen Knesset - dem Parlament -
legten Widerspruch gegen seine Freilassung ein. Es gibt nun eine
Anhörung am Montag, derzeit ist der Mann unter Hausarrest. Sein
Name ist übrigens Yaschur Yitzhar, er ist allen hier bekannt für
seine extreme Brutalität und die hohe Zahl seiner
Gewaltverbrechen gegen die Dorfbewohner. Er arbeitet in Israel
für eine zionistische Organisation und hat unter anderem die
deutsche Staatsbürgerschaft. Unter anderem besitzt er außerdem
die Erlaubnis, eine besondere M-16-Waffe zu tragen, die
ausschließlich für geplante Angriffe und nicht zur
Selbstverteidigung benutzt werden. Das Geschoss, welches er
benutzte, ist das bekannte und grundsätzlich tödlich wirkende
Dumm-Dumm-Geschoss. Es tritt mit einem kleinen Radius in den
Körper ein und explodiert dann innerlich."
Diese Geschichte ereignete sich im Vorfeld der am Samstag in
Salem beginnenden Olivenernte. Diese besondere Zeit des Jahres
könnte so schön, geradezu romantisch verbracht werden. Die
unmittelbare und allgegenwärtige Bedrohung durch die
unberechenbaren Siedler lässt allerdings wie jedes Jahr die
Hoffnung auf friedliches Einbringen der Ernte erlöschen.
Hanan/ISM
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