Erlebnis
Bericht aus Palästina: April 2003
hallo,
ich will mich nur mal kurz melden. fuer einen genauen bericht
fehlt mir gerade die ruhe und die konzentration. wir werden hier
mit eindruecken bombardiert.
wir
haben die vergangenen tage das permanente vorantreiben der
siedlungsplaene der israelis in und um jerusalem gesehen und
gehoert. wir sahen wie weit die planung eines grossjerusalems
bereits vorangeschritten sind. wir trafen salim, dessen haus von
den israelischen soldaten viermal mit bulldozern dem erdboden
gleich gemacht wurde, bis seine familie voellig zerstoert war.
sie wollen vollendete tatsachen schaffen, damit die juedische
mehrheit in jerusalem erhalten bleibt. sogar eine u-bahn zu den
verschiedenen siedlungen ist im bau. die palaestinenser werden
daher permanent aufgrund von "sicherheitsinteressen"
vertrieben. das alles laesst sich nicht mit einer e-mail
beschreiben. das israelische komitee gegen die zerstoerung der
haeuser hat diese ganzen machenschaften sehr eindrucksvoll und
genau beschrieben.
nach einem abschiedsabend mit musikprogramm in beit sahour ging
es dann weiter nach ramallah, wo wir mit verschiedenen
organisationen zusammen trafen. natuerlich besichtigten wir auch
arafats zerstoerte residenz und sahen auch hier viele zerstoerte
haeuser. wir waren auch in einem kulturzentrum, in dem sich das
groesste archiv fuer palaestinensische musik befindet und die
einzige palaestinensische tanzschule. auch dieses kulturzentrum
wurde von den israelis letztes jahr komplett verwuestet.
inzwischen ist es neu renoviert. hoffentlich lassen sie jetzt
die finger davon. abends sahen wir als einstimmung fuer die
naechsten tage im dortigen kino den film "jenin, jenin",
der auf arte nicht laufen durfte aufgrund des israelischen veto.
am naechsten tag ging es weiter nach nablus. schon auf dem weg
zum checkpoint wurde einer unserer betreuer in einer
israelischen kontrolle festgenommen, weil er erst vor kurzem im
knast war. wir wissen noch nicht, was mit ihm ist. wir mussten
ohne ihn weiterfahren und sind dann zu fuss durch den checkpoint
gelaufen. auf der anderen seite handelten wir ein taxi aus, das
uns zum checkpoint nach nablus brachte. einige von uns mussten
ihr
gepaeck auspacken, aber es war eher eine ungenaue durchsuchung.
wir wurden gewarnt, wie gefaehrlich nablus sei, aber sie liessen
uns passieren. in nablus wurdne wir vom jealth work komitee in
empfang genommen und durch die altstadt gefuehrt.
ueberall sind maertyrer-plakate zu sehen, ueberall zerstoerte
haeuser. jede nacht kommen die israelsichen soldaten und
durchsuchen die haeuser nach jungen aktivistInnen, die sie aber
meist nicht finden. es komt aber auch immer wieder zu
schiessereien mit den tamsin-kaempfern. am tag zuvor war
eine grosse demonstration zum tag der gefangenen, die heute im
lokalen fernsehen gezeigt wurde. wir besichtigten zerstoerte
haeuser, besuchten maertyrerfamilien und hoerten ihre
schrecklichen geschichten. in einem haus wurden 16 personen,
z.t. kleine kinder, als menschliche schutzschilde 13 stunden
lang festgehalten in einem kleinen raum. insgesamt starben 98
palaestinenserInnen letztes jahr durch die israelsichen angriffe
waehrend der 40-taegigen ausgangssperre. wir besuchten die
familie einer palaestinensichen friedensaktivistin, die ohne
anlass in ihrem haus von den soldaten im oktober letzten jahres
erschossen wurde. es gibt auch eine internet-seite dazu: www.remembershaden.org
wir
trafen auch den ehemaligen buergermeister von nablus, der allen
israelischen einschuechterungen und drohungen widerstand. 1976
verlor er bei einem bombenanschlag durch siedlerextremisten
beide beine und sitzt seitdem im rollstuhl. hier ist die
besatzung die permanente kriegssituation, in der die
palaestinenser nunmehr seit ueber 36 jahren leben muessen
hautnah ueberall spuerbar. fuer uns deutsche ist es eine sehr
ungewohnte situation. aber es mnacht auch mut, zu sehen, dass
die menschen sich hier in keinsterweise unterkriegen lassen und widerstand leisten. sie kuemmern
sich uebrigens ruehrend um uns. morgen frueh wollen wir nach
jenin und dann weiter nach haifa.
soweit
mal ein kurzes lebenszeichen aus dem besetzten palaestina, ich
hoffe ihr entschuldigt, dass es wirklich nur stichpunkte sind
ueber unsere erlebnisse hier.
viele
gruesse
achim
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