Erlebnis
Bericht aus Palästina: April 2003 Teil 2
hallo,
nach
einigen beschwerlichen checkpoint-uebergaengen bin ich wieder in
jerusalem angekommen gestern nacht. die nacht in nablus war
recht aufregend. wir konnten uns gut vorstellen, wie sich die
palaestinenser jede nacht fuehlen, wenn sie nicht wissen, ob die
soldaten in ihr haus einbrechen, es mit f 16 - flugzeugen
beschiessen oder ploetzlich merkava-panzer dort auftauchen. mit
leuchtraketen leuchteten sie immer wieder die ganze region aus.
wie wir spaeter erfuhren, hatten sie im balata fluechtlingscamp
einen palaestinenser erschossen. als wir das haus, wo wir
uebernachteten verlassen wollten, fuellte sich die luft mit
grossem laerm. zwei merkava-panzer bogen um die ecke und fuhren
an uns vorbei. kurze zeit spaeter fuhren sie wieder zurueck und
blieben 100 meter weiter an einer ecke stehen. wie uns unser be\gleiter
vom health work comitee erzaehlte, waren 10 merkava und 20 jeeps
in der altstadt. am checkpoint wurden wir abgewiesen und unser
fahrer verwarnt, weil er uns in der ambulanz mitgenommen hatte.
fuer ihn ist das nichts aussergewoehnliches. er wurde auch
bereits dreimal beschossen, als er verletzte transportierte oder
bergen wollte.
wir
fuhren auf die andere seite von nablus und mussten dann zu fuss
weiter laufen, als ploetzlich mitten auf dem weg ein merkava
auftauchte und wir ueber lautsprecher aufgefordert wurden, nicht
weiter zu gehen. nach dem ein mitglied unserer gruppe juedischer
abstammung ist und hebraeisch spricht, war es ihm moeglich, mit
den soldaten im panzer zu sprechen. wir durften mit unserem
gepaeck passieren, unser palaestinensischer begleiter, ein arzt,
der in tubas in der klinik arbeitet, musste wieder zurueck
gehen. genauso erging es drei lehrern, die in nablus
unterrichteten und die wir trafen, nach dem wir am merkava
vorbei gelaufen waren. wir mussten noch eine ganze weile
den immer wieder aufgerissenen weg entlang laufen, bis wir von
einem pick-up nach tubas mitgenommen wurden. dort trafen
wir wieder leute vom health work komitee, die bereits von
unserem kommen unterrichtet waren, obwohl wir urspruenglich gar
nicht vorhatten, ueber tubas zu fahren. mit dem bus ging es dann
weiter nach jenin, von wo aus wir zum fluechtlingslager gebracht
wurden, wo letztes jahr das schreckliche massaker statt fand.
inzwischen sind die schutthalden und die ruinen bei seite
geraeumt worden. aber man kann sich vorstellen, wie die israelis
gewuetet haben, wenn man weiss, dass davor enge gassen waren, wo
jetzt breite strassen und weite ebene flaechen sind. 500 haeuser
wurden mit bulldozern, panzern und f 16 und apache-hubschraubern
zerstoert. das camp, in dem 12'000 menschen etwa lebten wurde
von 13'500 soldaten ueberfallen, die in schichten die menschen
dort massakrierten. mindestens 54 tote und hunderte von
verletzte, viele gefangene, die nach wie vor in haft sind.
nahezu jede familie ist betroffen von den folgen des massakers.
unser begleiter erzaehlte uns, dass es hier an allem fehlt, v.a.
an medizinischer hilfe und hilfe fuer die familen. viele sind
vorueber gehend in umliegenden doerfern untergekommen, aber sie
wollen auf alle faelle wieder zurueck und die haeuser wieder
aufbauen.
auf
der anderen seite zeigt die tatsache, dass sich die israelis nur
mit merkava panzern in das camp wagen koennen, wie feige sie
sind und wie stark der widerstand nach wie vor ist. sie kommen
jeden tag mit ihren panzern und terrorisieren die menschen, aber
sie koennen die moral der palaestinenser nicht brechen. sie
erreichen gerade das gegenteil. dabei hoerten wir im laufe
unserer reise und auch hier im camp, dass ein leben in frieden
und freiheit das einzige ist, was sich die
palaestinenserInnen wuenschen. aber darauf warten sie seit ueber
50 jahren vergebens und dafuer kaempfen sie weiter.
die
menschen im camp sind sehr enttaeuscht von internationalen
delegationen, die eine menge versprechen und dann hoeren sie
nichts mehr von ihnen. sie sind sehr verbittert, was nur zu
verstaendlich ist. immer wieder bekamen wir eindringlich
geschildert, wie notwendig die unterstuetzung ist. als kleines
reisegrueppchen konnten wir keine versprechungen machen nur
beteuern, dass wir den menschen zu hause erzaehlen werden, was
wir gesehen und gehoert haben.
zurueck
in der innestadt von jenin erzaehlt uns unser begleiter, wie die
soldaten vor kurzem auf die ism-aktivistInnen geschossen haben,
als sie mit erhobenen haenden auf der strasse vor den
panzern standen. der britische aktivist brian wurde ins gesicht
getroffen und liegt jetzt schwerst verletzt im hospital in haifa.
auch
der weg aus jenin gestaltete sich schwierig. am checkpoint nach
nazareth wurden wir abgewiesen mit der begruendung, dass der
chekcpoint heute geschlossen sei. wir mussten wieder umdrehen
und fuhren den weg nach tubas zurueck, aber auch hier stand
ploetzlich ein panzer, der vorher nicht da stand. ein
willkuerlicher kontrollpunkt mehr, aber nach einigem warten durften
wir passieren und kamen auf umwegen und mit grosser
verspaetung zu unserem treffpunkt. das programm in haifa mussten
wir auf den naechsten tag verschieben.
wir
uebernachteten in nazareth und erlebten hier wieder eine neue
welt, die sich doch sehr von nablus oder jenin unterscheidet.
schliesslich befanden wir uns wieder in "israel", auch
wenn in der innenstadt der v.a die araber wohnen und ihre
geschaefte haben. es sind andere probleme, die die menschen hier
haben.
am
naechsten tag trafen wir noch ta'ayusch und abna el balad (
kinder der erde) und erfuhren eine menge ueber die situation der
arabischen israelis in den gebieten, aus denen die
palaestinenser 1948 vertrieben wurden. wir trafen eine familie
wie viele, die seit dem ohne fliessendes wasser und strom in
containern hausen. dies ist eines von vielen sog. nicht
anerkannten doerfern.auch in den 48-er Gebieten sind
einschuechterung und zerstorerung von haeusern immer wieder an
der tagesordnung, wie wir erfuhren.
das
war das ende unserer reise.
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