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Britisches Mandat

Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches und dessen Auflösung (1920/22) wurden die arabischen Völker, mit Ausnahme des Higaz, nicht in die Unabhängigkeit entlassen, sondern auf Veranlassung des Völkerbundes einer englischen bzw. französischen Mandatsregierung unterstellt. So bestimmte von 1922 an der britische Hochkommissar und Anhänger des Zionismus Sir Herbert Samuel die Geschicke Palästinas. Unter seiner Regierung konnte die zionistische Bewegung gezielte politische und wirtschaftliche Maßnahmen ergreifen, die eine fortschreitende Konsolidierung der eingewanderten Juden in Palästina ermöglichte. Der überwältigenden Mehrheit im Lande hingegen - 1922 machen die Palästinenser 88 % der Bevölkerung aus - wurde die Mitsprache bei den politischen Entscheidungen verweigert.

Schon 1920 kam es zur Gründung der zionistischen Untergrundorganisation „Haganah". Im Jahr darauf erfolgten Wahlen zu einem jüdischen „Nationalrat", der neben Gesetzesentwürfen und Steuererhebung eine ausschließlich für Juden geltende Verfassung entwarf, die die Briten billigten. So entstand ein quasi staatliches Organ unterhalb der Mandatsregierung. Einen entscheidenden Schritt zur Konsolidierung und zur Verdrängung der einheimischen Bevölkerung stellte die Schaffung des „Jüdischen Nationalfonds" dar. Mit seiner Hilfe wurde die Einwanderung und der Kauf von Ländereien finanziert. Um das erklärte Ziel der zionistischen Bewegung - die „Eroberung und Befreiung des Bodens" und die „Eroberung der Arbeit" - zu sichern, erging das Verbot, gekauftes Land von Palästinensern pachten und bebauen zu lassen oder ihnen eine Anstellung in der sich entwickelnden jüdischen Wirtschaft zu gewähren.

Mit diesen und zahlreichen weiteren Organisationen sollten ökonomische, demographische, kulturelle und militärische Machtfaktoren geschaffen werden, die auf eine Politik der vollendeten Tatsachen abzielten, die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz gar nicht ins Auge fasste, langfristig auf die Etablierung eines rein jüdischen Staates in Gesamtpalästina und die Verdrängung der Palästinenser aus ihrer Heimat hinarbeiteten: „Wer der Fremde im Land ist, das kann die Mehrheit entscheiden; es ist eine Machtfrage." (Theodor Herzl)

Doch die Bevölkerung Palästinas verfolgte diese Entwicklung nicht teilnahmslos und stumm. Schon gegen Ende der osmanischen Herrschaft war die "Muslimisch-Christliche Vereinigung (MCA)" gegründet worden, die die Verbundenheit der Palästinenser mit ihrer Heimat, ihr Nationalbewusstsein und die legitimen Forderungen des Volkes zum Ausdruck brachte. So kam es Anfang der 20er Jahre zu den ersten Massendemonstrationen und Streiks gegen die wachsende Einwanderungswelle europäischer Juden. Die politische Führung der palästinensischen Gesellschaft lag zu diesem Zeitpunkt in Händen städtischer Notabeln, Clanführern und Großgrundbesitzern. Zur führenden Gestalt der palästinensischen Nationalbewegung - einem Netzwerk lokaler Organisationen - wurde der Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Hussaini, der aufgrund seiner religiösen Stellung breite Anerkennung im Volk genoss. Doch die Bemühungen, auf politischer Ebene Widerstand gegen Landnahme und Besiedlung zu leisten, eine Gleichstellung von Palästinensern und Juden bei der Mandatsmacht durchzusetzen und einen immer wieder geforderten Einwanderungsstopp zu erwirken, blieben von beschränktem Erfolg. Zu stark war der Druck der zionistischen Bewegung auf die Mandatsregierung, zu sehr waren die Briten darauf bedacht, ihre eigenen Interessen und strategischen Ziele zu sichern. Als die 1929 von den jüdischen Einwanderern gegründete „Jewish Agency" die Schaffung eines „jüdischen Nationalheims" forderte, und die britische Mandatsmacht dies anerkennt, kommt es erneut zu schweren Unruhen. Kurz darauf entstanden unter der Führung der beiden führenden Jerusalemer Familien al-Hussaini und Nashashibi die ersten palästinensischen Parteien, die sich 1936 zum "Obersten Arabischen Komitee" zusammenschlossen. Ziel war die Erlangung der Unabhängigkeit Palästinas, der Einsatz einer demokratischen Regierung und die Beendigung des jüdisch-zionistischen Kolonisationsprojekts.

Im gleichen Jahr nahmen die Konflikte und Ausschreitungen zwischen Juden und Palästinensern zu. Einem sechsmonatigem Generalstreik folgte, in Reaktion auf die von der „Peel-Commission" 1937 empfohlene Teilung Palästinas, eine landesweite Revolte, die bis 1939 anhielt und von der britischen Mandatsregierung blutig niedergeschlagen wurde. Das "Oberste Arabische Komitee" in Palästina wurde für illegal erklärt, die politische Führung wurde inhaftiert oder ging außer Landes. Damit war das politische, soziale und nicht zuletzt militärische Widerstandspotential der palästinensischen Gesellschaft auf Jahre gebrochen. Hadsch Amin al-Hussaini, der in den Libanon fliehen konnte, wurde Ziel einer von Großbritannien und der zionistischen Führung gestarteten Diffamierungskampagne, in deren Verlauf auch die legitimen Forderungen der palästinensischen Nationalbewegung in Misskredit gerieten.

Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges schränkte die Mandatsmacht im sog. „Britischen Weißbuch" die Einwanderung nach Palästina ein, um sich die Neutralität der Araber zu sichern und die Bildung einer deutsch- italienisch-arabischen Allianz zu verhindern. Von da an organisierte die „Jewish Agency" verstärkt den illegalen Zuzug. Auch nach Beendigung des 2. Weltkrieges riss der Strom jüdischer Flüchtlinge, die den europäischen Vernichtungslagern entkommen waren, nicht ab. Im Jahr 1947 war der Anteil der jüdischen Bevölkerung Palästinas auf 1/3 angewachsen. Gleichzeitig kam es zu einer Eskalation der Gewalt zwischen der Hagana und der britischen Mandatsmacht einerseits, sowie zwischen den jüdischen und palästinensischen Bevölkerungsteilen andererseits. Die Briten, denen die Kontrolle über das Land nun endgültig entglitt, übergaben das "Palästinaproblem" den Vereinten Nationen.

Am 29.11.1947 beschloss die UN-Vollversammlung mit 33 zu 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen die Teilung Palästinas (Res. 181). 609 000 Juden erhielten 56% des Bodens (fruchtbare Küstenregion), wohingegen 1, 38 Mio. Palästinensern nur 42% zugesprochen wurde. Die arabischen Staaten, die Arabische Liga und das palästinensische "Hohe Arabische Komitee" lehnten den Teilungsbeschluss ab. Sie argumentieren zu Recht, dass die UN nur Empfehlungen vorlegen könne und nicht das Recht habe, über das Schicksal eines Landes zu bestimmen, ohne dessen Bevölkerung zu fragen: Schließlich fordere die Satzung der Vereinten Nationen das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Während die Proteste der Palästinenser und der arabischen Staaten ungehört blieben und die zionistische Bewegung die Annahme des Teilungsplanes, an dem sie selbst mitgearbeitet hat, feierte, kündigten die Briten ihren Rückzug aus Palästina zum 14. Mai 1948 an.

 

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