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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

Fritz Edlinger:

Internationale Beobachter in Palästina dringend notwendig!

Der Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB) Fritz Edlinger zeichnete nach einem Besuch in Israel sowie in den palästinensischen Gebieten ein äußerst negatives Bild von der aktuellen Situation. Kurzgefasst sei diese von einer weitgehenden  Hilfs- und Orientierungslosigkeit der palästinensischen Führung sowie einer absoluten Realitäts- und Gesprächsverweigerung der israelischen Regierung charakterisiert. Sollte nicht innerhalb kürzester Zeit eine entschlossene politische Initiative gesetzt werden, so drohe eine weitere Eskalation der Gewalt. Angesichts der Tatsache, dass es derzeit so gut wie keine direkten Kontakte zwischen der israelischen Regierung und der palästinensischen Führung gäbe, müsse eine derartige Initiative zweifellos von außen kommen. Am prädestiniertesten dafür sei das zur Implementierung der sogenannten „road map“ eingesetzte Quartett, welches aus Vertretern der USA, der EU, Russlands und der UNO besteht. Eine einseitige Initiative seitens der USA, wie dies von vielen Repräsentanten der US-Regierung und auch von seiten der israelischen Regierung vertreten wird, sei sicherlich zum Scheitern verurteilt, da die USA – wie ihr jüngstes Veto im UN-Sicherheitsrat zugunsten Israels wiederum  gezeigt hat – nach wie vor nicht in der Lage sei, die Rolle eines fairen und ehrlichen Vermittlers zu spielen. Dennoch müssten die USA aber unbedingt in die Vermittlungsbemühungen des Quartetts eingebunden und bei diesen auch eine führende Rolle spielen.

 

Eines der gegenwärtig wesentlichsten Hindernisse bei der Fortsetzung des Friedensprozesses stelle die Haltung der israelischen aber auch der US-Regierung dar, sich ihren Gesprächspartner auf palästinensischer Seite gewissermaßen selbst aussuchen zu wollen. Die Isolierung Yasser Arafats, der immerhin mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomieverwaltung (PNA)  gewählt worden  ist, hat den Friedensprozess de facto zum Erliegen gebracht, da – wie der Rücktritt von Abu Mazem von der Funktion als Palästinensischer Ministerpräsident nachdrücklich beweist – kein anderer palästinensischer Politiker über die notwendige Autorität unter dem palästinensischen Volk verfügt. Solange also die israelische Regierung die legitimierten Repräsentanten des palästinensischen Volkes als solche nicht anerkennt und diese auch nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner akzeptiert, kann es keine wirkliche Fortsetzung des Friedensprozesses geben. Fritz Edlinger brachte in diesem Zusammenhang auch sein Entsetzen über die Lage des seit fast zwei Jahren de facto als Gefangener der Israelis in seinem nahezu komplett zerstörten Hauptquartier in Ramallah festgehaltenen palästinensischen Präsidenten zum Ausdruck. Wer seinem politischen Vis a Vis derartiges antut, ist ganz offensichtlich nicht an einem Dialog, geschweige denn an einer politischen Lösung interessiert.

 

Die israelische Vorgangsweise ist nicht geeignet, dem palästinensischen Terror Einhalt zu gebieten!

 

Berücksichtigt man noch die weitgehende Zerstörung der Infrastruktur der PNA während der vergangenen drei Jahre, die gezielten Tötungen von mutmaßlichen Terroristen, die ungehemmte Fortsetzung des Baues israelischer Siedlungen in den Besetzten Gebieten sowie den Bau der als „Sicherheitsmaßnahme“ deklarierten Mauer so kann man nicht umhin, der gegenwärtigen Regierung zu unterstellen, dass ihr eine wirkliche Bekämpfung des Terrors, d.h. eine Beseitigung seiner Ursachen, nicht besonders an Herzen zu liegen scheint. Es sei nicht ganz von der Hand zu weisen, dass diese Regierung eine schrittweise Verschlechterung der Lebensbedingungen der palästinensischen Bevölkerung anstrebe, um vielleicht auf diese Weise manche zum Verlassen ihrer Heimat zu bringen. Er sei sich dessen bewusst, dass dies ein ziemlich ungeheuerlicher Vorwurf sei, räumte der GÖAB-Generalsekretär ein, aber dieser Regierung gehörten Personen an, für die es bei der Durchsetzung ihrer politischen Ziele offensichtlich keine Tabus gibt, wie die jüngste Erklärung des Stellvertretenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert über die Möglichkeit einer Ermordung von Yasser Arafat beweist. Er lehne dennoch den individuellen Terror gegen unbeteiligte Zivilisten durch palästinensische Selbstmordkommandos als unmenschlich und absolut nicht zielführend auf das Schärfste ab, das Gleiche müssen aber auch für den staatlichen Terror seitens der israelischen Besatzungsarmee gelten, präzisierte Fritz Edlinger.

 

Ein verstärktes internationales Engagement dringend nötig!

 

Da die beiden Konfliktparteien – nicht zuletzt auch aufgrund der extrem unterschiedlichen Kräfteverhältnisse – nicht in der Lage sind, neuerliche und konstruktive Friedensgespräche aufzunehmen, sei ein verstärktes internationales Engagement dringend nötig. Er erwarte sich vom „Quartett“ nicht nur schöne Worte sondern auch ganz konkrete Schritte vor Ort, und dazu gehöre zweifellos die Entsendung einer internationalen Beobachtertruppe, wie dies auch bereits in den verschiedensten Vorschlägen verlangt worden ist. Diese Truppe müsse mit einem entsprechenden internationalen Mandat, am besten durch die UNO, ausgestattet sein und unmittelbar die vereinbarten Schritte überwachen.

 

Vom „Quartett“ selbst erwarte er sich eine neutrale Vorgangsweise, welche beide Seiten zu gravierenden Konzessionen und Maßnahmen veranlasst, führte Fritz Edlinger weiter aus.

 

Zur Wiederbelebung des Friedensprozesses erwarte er sich von der israelischen Seite:

 

  • Eine sofortige Aufhebung der Belagerung des Amtsitzes von Präsident Arafat und die Garantie seiner ungehinderten Mobilität.

  • Die Beendigung der Belagerung und Besatzung sämtlicher in der Zone A (Autonome Gebiete) gelegenen Städte und Dörfer. Sofortiger Rückzug der israelischen Armee auf die Stellungen vor dem September 2000.

  • Die weitere Freilassung von politischen Gefangenen.

  • Die sofortige Wiederaufnahme der Gespräche über Sicherheitsfragen sowie die sofortige Wiederaufnahme der Gespräche über die endgültige Konfliktlösung.

  • Ein sofortiges Einfrieren des Baues weiterer Siedlungen inklusive des sogenannten „natürlichen“ Wachstums bestehender Siedlungen.

  • Die sofortige Evakuierung sämtlicher illegaler Siedler-Vorposten in den palästinensischen Gebieten.

  • Die Ankündigung einer Auflösung sämtlicher Siedlungen im Gazastreifen und deren Beginn innerhalb von 6 Monaten.

  • Die Einstellung des Baues des sogenannten Sicherheitszaunes.

  • Die Auszahlung sämtlicher der PNA zustehenden Gelder.

 

Von palästinensischer Seite erwarte er zeitgleich und parallel folgende Schritte:

 

  • Sofortige Bildung einer handlungsfähigen Regierung.

  • Beginn einer umfassenden Verwaltungsreform durch die neue Regierung. Abbau von Parallelstrukturen etc.

  • Zügige Weiterarbeit an einer palästinensischen Verfassung und weiteren für die Errichtung eines demokratischen Staates notwendigen Gesetzen und Vorschriften.

  • Möglichst rasche Vorbereitung und Durchführung von Wahlen zum Präsidenten, zum Parlament und den Gemeindeverwaltungen. Diese Wahlen sind unter internationaler Garantie und Kontrolle durchzuführen.

  • Möglichst kurzfristige Verwendung der von israelischer Seite freigegeben Mittel für rasch wirksame Beschäftigungsprojekte.

  • Ausbau der Sicherheitskräfte und gezielte Maßnahmen zur Bekämpfung individuellen Terrors in Israel bzw. gegenüber der israelischen Zivilbevölkerung.

 

Angesichts der Erfahrungen mit der Nicht-Implementierung von ähnlichen Maßnahmen in früheren Vorschlägen sollten beide Seiten zu einer zügigen Realisierung verpflichtet werden. Es sollte bewusst auf eine bestimmte Abfolge von jeweils von der anderen Seite zu erbringenden Maßnahmen verzichtet werden. Die unter der Aufsicht des „Quartetts“ stehende internationale Beobachtertruppe soll die zügige Realisierung kontrollieren und bei gravierenden Verzögerungen und/oder Behinderungen entsprechende Maßnahmen vorschlagen.

 

Generalsekretär Fritz Edlinger betonte abschließend nochmals, wie schockiert er über die gegenwärtige Situation in den palästinensischen Gebieten sei. Sollten nicht sofort einschneidende Maßnahmen ergriffen werden, ist mit einer weiteren Verschlechterung der sozialen und wirtschaftlichen Lage zu rechnen, was wiederum eine weitere Radikalisierung der palästinensischen Bevölkerung nach sich ziehen wird. Dies sei nicht weiter hinzunehmen, es liege letztendlich auch nicht im ureigenen Interesse des Staates Israel und seiner Menschen. Eine entschlossene internationale Aktion stelle daher seiner Meinung nach die einzige erfolgversprechende Maßnahme dar.

 

Wien, 30.9.2003

 

 

Weitere Informationen:

Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen

Tel: 01 5267810, Fax: 01 5267795, E-Mail: office.vienna@saar.at

 

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