Fritz Edlinger:
Die israelische Regierung verhöhnt die Opfer ihrer Kriegsverbrechen – und Europa lässt dies geschehen
Es scheint mehr und mehr Methode der israelischen Regierung zu werden, Kriegsverbrechen der so genannten Israelischen Verteidigungsarmee auf technische Fehler zurückzuführen und sich im Anschluss dann sogar dafür noch zu entschuldigen.
Zum ersten Mal wurde diese Methode bei der gezielten Tötung von vier UN-Beobachtern im südlibanesischen Khiam, zuletzt beim Artilleriebeschuss eines Wohnhauses in Beit Hanoun im Gazastreifen, bei dem fast eine gesamte Familie darunter sieben Kinder ausgerottet worden ist, angewendet. Zu der Methode gehört auch die rasche Durchführung von internen „Untersuchungen“ der israelischen Armee, die natürlich keinerlei schuldhaftes Verhalten finden. Dass die israelische Armee bzw. die israelische Regierung keinerlei Interesse daran hat, Verbrechen ihrer Armee aufzudecken, ist nicht weiter verwunderlich, dass aber die internationale Staatengemeinschaft diese zynischen Manöver akzeptiert, ist mehr als verwunderlich, erklärte der Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB) Fritz Edlinger bei einem Vortrag am Samstag Abend in Wien.
Der GÖAB-Funktionär prangerte in diesem Zusammenhang ganz konkret auch die notorische und konsequente Praktizierung von gravierenden Doppelstandards der meisten verantwortlichen europäischen Politiker aber auch des Großteils der Medien an. Offensichtlich gilt das Leben und die Sicherheit von Israelis deutlich mehr als jene von Arabern. So sei beispielsweise im Falle der Gefangennahme des israelischen Korporals Gilat Shalit dessen Name und Foto tagelang durch die Medien der gesamten Welt gegangen, während zumeist über die zahlreichen Opfer des israelischen Staatsterrors anonym und pauschal berichtet wird, wenn überhaupt.
Diese Vorgangsweise sei seiner Meinung nach nicht nur auf eine jede Gelegenheit ausnützende israelische PR zurückzuführen, sondern auch auf eine bedauerliche Unausgewogenheit der Bewertung des und Berichterstattung über den israelisch-arabischen Konflikt.
In Zusammenhang mit den Ereignissen von Beit Hanoun und Khiam verlangte Fritz Edlinger die Einsetzung von unabhängigen internationalen Untersuchungskommissionen. Diese sollten aber tatsächlich unabhängig von politischen Einflussnahmen seitens der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates sein und zudem ist auf eine Veröffentlichung ihrer Untersuchungsergebnisse großer Wert zu legen. Von der Europäischen Union erwarte er sich eine tatkräftige Unterstützung derartiger Untersuchungskommissionen, erklärte der GÖAB-Generalsekretär abschließend.
Wien, 11.11.2006
Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen
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