Das
Erbe des palästinensischen Volkes ist reich an diesen Künsten.
Zum volkskünstlerischen Erbe gehören verschiedene Gattungen
wie die Gedichtkunst, Erzählungen und Sprichwörter, Musik,
Gesang und Tanz, Handarbeiten wie Spinnen, Weben und Sticken
sowie verschiedene Arten des Kunsthandwerkes wie Töpferei,
Holz-, Perlmutt-, Metallarbeiten u. a.
Spinnen und Weben
Spinnen und Weben sind in Palästina seit Jahrtausenden üblich
und schon bei den Kanaanäern bekannt (Funde bei Akka). Die Phönizier
übernahmen von ihnen z. B. auch die Herstellung purpurgefärbter
Stoffe, für welche sie weithin berühmt wurden. Die Farbe dafür
wurde aus Meeresschnecken (Purpurschnecken, Murex) gewonnen.
Diese Purpurfärberei blühte bis in das frühe Mittelalter,
d.h., bis in die Zeit nach der Ausbreitung des Islam und in die
Zeit der Kreuzfahrer.
Über die Herstellung von Stoffen in jüngerer Zeit berichteten
zahlreiche Reisende, die Palästina im vergangenen und zu Anfang
unseres Jahrhunderts besuchten, so z. B. Lithgow (1814),
Burckhardt (1822) und Dalman (1937). Dieses Gewerbe war in Palästina
weitverbreitet. Safed, Nazareth, Nablus, Beit Dschala, Hebron,
Medschdel und Gaza waren die dafür bekannten Zentren im Land.
Die Kunst des Färbens
Ursprünglich wurden Schaf- und Kamelwolle sowie Ziegenhaar als
Material verwendet. Baumwolle und Flachs wurden bis zum Ende des
19. Jh. kaum angebaut, sondern als Rohfaser oder als Garn aus Ägypten
importiert. Seide kam vorwiegend aus Syrien, wurde aber auch im
Lande selbst hergestellt. Das Garn wurde meist mit Handspindeln
gesponnen und dann auf verschiedene Weise gefärbt. Manchmal färbte
man auch erst die fertigen Stoffbahnen. Es wurden Farben
pflanzlichen und tierischen Ursprungs verwendet. Der
bedeutendste Farblieferant war die Indigopflanze, die wie die
anderen Farbträger im Lande selbst angebaut wurde oder dort
wild wuchs. Sie wurden aber auch importiert, und in unserem
Jahrhundert wechselte man größtenteils zu Industriefarben über.
Die Verarbeitung der Stoffe
Das gefärbte Garn wurde auf Handwebstühlen verschiedener
Bauart gewebt: es gab waagerechte und senkrechte, einfache und
kompliziert gebaute. Spinnen und Weben war vor allem
Frauenarbeit. Manche Arbeiten verrichteten sie allein, z. B. die
Wirkteppichherstellung auf horizontalen Webstühlen. Die Arbeit
an den relativ komplizierten Webstühlen, die zur Bedienung Hände
und Füße erforderten, war dagegen den Männern vorbehalten.
Neben Kleiderstoffen stellte man auch Zeltbahnen aus schwarzem
Ziegenhaar und gestreifte und gemusterte Wirkteppiche (Kelims)
aus Schaf- und Kamelwolle her. Letztere dienten als Fußbodenbeläge,
Satteltaschen, Kinderwiegen und Säcke und Beutel für
verschiedene Aufbewahrungszwecke.
In Nazareth gab es Ende des 19. Jh. etwa 300 Webstühle. In den
30er Jahren unseres Jahrhunderts waren in Beit Dschala 300 und
in Medschdel 500, 1948 sogar 800 Webstühle in Betrieb. Die
Weber aus Medschdel flüchteten 1948 vor den israelischen
Truppen nach Gaza, wo ein Teil von ihnen bis heute arbeitet.
Weitere Zentren sind noch heute Safed, Medschd al-Kurum, Nablus,
Abu Dabs, Hebron und al-Sumu.
In Medschdel wurden bis 1948 hauptsächlich folgende Stoffarten
hergestellt: al-rahbani - grobe Baumwolle, indigo oder schwarz;
al-mabrum - mittelstarke Baumwolle, ungefärbt; libb al-mabrum -
feinere Baumwolle, schwarz oder ungefärbt; al-muqat'a -
schwarzes Leinen; al-kermesut - Mischgewebe aus Baumwolle und
Seide, meist rotbraun, auch gestreift; al-khidari al-mubarsam -
gestreifte Baumwolle mit eingewebten roten Seidenblumen;
al-hermes - dünne Seide, hergestellt in einfarbigen schmalen
Bahnen; al-tubeit - schwarzer Baumwollstoff mit glänzender
Oberseite; al-rusa - weiche hellbeige Seide
Diese Stoffe dienten der Kleiderherstellung. Manche wurden nur für
Frauengewänder, andere auch für Männerkleidung gewebt. Neben
diesen einheimischen Produkten waren auch syrische Stoffe, die
z. T. eigens für den palästinensischen Markt hergestellt
wurden, sehr verbreitet.
Die Volkstracht der Frauen
Früher drückte sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten
Sippe oder einem Stamm in der Kleidung aus. Dann erweiterte sich
der Kreis auf ein Dorf oder eine Stadt, bis schließlich ein
ganzes Gebiet erfaßt wurde und man letztlich von einer
Nationaltracht sprechen kann. Bis zu Beginn unseres Jahrhunderts
war es leicht, die Herkunft einer Frau durch ihre Kleidung zu
bestimmen, man konnte oft sogar den Ort feststellen, aus dem sie
kam. Seit den 20er Jahren wurde das jedoch schwieriger. Durch
das Eindringen moderner Verkehrsmittel, die das Reisen
erleichterten, wurden die Besonderheiten der Kleidung dieses
oder jenes Dorfes oder Gebietes in anderen Landesteilen bekannt
und übernommen. Manche Besonderheiten einzelner Trachten
verwischten sich. Bei der Übernahme anderer Elemente wählten
die Frauen das aus, was sie schön fanden, ließen sich davon
anregen und fügten so ihrer eigenen Kleidung neue Elemente
hinzu. Einige Trachten aber erhielten sich trotzdem in ihrer
traditionellen Form, wie z. B. die der Frauen von Bethlehem.
Die unterschiedlichen Trachten
Im folgenden soll im wesentlichen nur die Tracht der Bäuerinnen
und einfachen Arbeiterinnen, die die Mehrheit der palästinensischen
Frauen bilden, erläutert werden. Geographisch betrifft dies
hauptsächlich Mittel- und Südpalästina. Das betrifft sowohl
Moslems als auch die christlichen Minoritäten. In den großen
Städten trugen die sozial besser gestellten Frauen meist
importierte Kleidung. Gegen Ende der Osmanenherrschaft kleideten
sie sich nach türkischer Art, mit einem die Figur vollständig
verhüllenden Schleier, und nach dem ersten Weltkrieg, als Palästina
unter britischer Mandatsherrschaft stand, begannen sie sich
europäisch zu kleiden.
Trotz der ursprünglichen Besonderheiten der Trachten in den
verschiedenen Landesteilen kann man bei den meisten von ihnen
gemeinsame Elemente feststellen, die die typische palästinensische
Tracht charakterisieren. Das betrifft in erster Linie den
Schnitt der Gewänder, die Verteilung der Stickerei auf ihnen
und die Wiederkehr ganz bestimmter Stickmotive in ganz Palästina.
Die Tracht besteht im wesentlichen aus einem langen Kleid mit
engen oder weiten Ärmeln, einem Gürtel, einer Kopfbedeckung
mit aufgenähten Münzen und einem langen Schleier darüber.
Kleid, Haube und oft auch der Kopfschleier waren meist bestickt.
Dazu gehörte noch Schmuck. In einigen Gegenden, wo die Frauen
sehr viel auf dem Feld zu arbeiten hatten, wurden aus Zeitmangel
keine bestickten Kleider angefertigt.
Das Arbeitskleid
Die palästinensische Frau hatte üblicherweise drei Typen von
Kleidern. Das Arbeitskleid ist aus einfachem, billigem Stoff genäht
und hat wenig Stickerei. Das einfache Festkleid (thob) besteht
aus kostspieligerem Stoff, hat oft spezielle, den lokalen
Traditionen entsprechende Besonderheiten und ist an den
entsprechenden Partien mit dichter, sorgfältiger
Seidenstickerei versehen. Dazu kommen die Brautkleider. Die gebräuchlichste
Form war die der dschilaye. Sie unterscheidet sich vom gewöhnlichen
Festkleid vor allem durch die Verzierung der vorderen Rockseite,
die sonst frei bleibt. Die dschilaye hat in jedem Gebiet ihre
Besonderheiten. In Bethlehem gab es ein besonders berühmtes
Brautkleid, das malak, welches aus gestreiftem Samt genäht war.
Dazu gehörte noch ein reich besticktes kurzärmeliges Samtjäckchen
(taqsira).
Das Brautkleid
Das Brautkleid war das wichtigste Kleidungsstück der Aussteuer
und wurde nach der Hochzeit noch bei ganz besonderen privaten
oder öffentlichen Festen getragen. Die Form der Ärmel der
Kleider war unterschiedlich - es gab lange oder
dreiviertellange, die unten eng waren, oder man hatte weite,
schwingende, die manchmal sehr lange Zipfel besaßen. Diese
wurden bei der Arbeit hinten zusammengebunden oder in den Gürtel
gesteckt. Brust, Seiten, Ärmel und der hintere untere Rockteil
wurden bestickt, ebenso die Schulter- und Nackenpartie, die
meist noch mit einem Stück Seide oder Samt besetzt war.
Der Gürtel (schaddad oder hisam) besteht meist aus Stoff,
unterschiedlich in Qualität und Farbe. Es gibt Gürtel aus
gestreiftem Satin, aus Wolle und aus Baumwolle. Sie werden
entsprechend den lokalen Gepflogenheiten in verschiedener Weise
um die Taille gebunden und dienen manchmal auch als Tasche.
Die Kopfbedeckung
Die Kopfbedeckung (wuqa oder semada) ist von Ort zu Ort
unterschiedlich. Im allgemeinen besteht sie aus besticktem
Baumwoll- oder Leinenstoff, auf den alte Silbermünzen oder,
seltener, auch Goldmünzen genäht werden. Oft ist hinten eine
Stoffwust befestigt, mit deren Hilfe die Haare verdeckt oder
festgehalten werden. In Bethlehem trägt man eine besondere
Form, die schatwa. Sie ähnelt dem tarbusch (Fez), ist ebenfalls
bestickt und vorn mit Silber- oder Goldmünzen, manchmal auch
mit Korallen verziert. Viele Kopfbedeckungen werden durch eine
oder mehrere Ketten mit Münzen unter dem Kinn gehalten.
Der Kopfschleier (ghudfa oder khirka) besteht aus einem
rechteckigen oder quadratischen Stück Baumwoll-, Woll-, Leinen-
oder Seidenstoff, meist weiß oder rot. Manche Kopfschleier sind
entsprechend den Traditionen der jeweiligen Gegend bestickt und
mit Fransen versehen. Man verwendet auch einfachen weißen oder
hellgestreiften Stoff. Dieser Kopfschleier wird noch über der
wuqa in verschiedener Weise getragen, das Gesicht bleibt unverhüllt.
Die Schuhe haben keine Besonderheiten, da das Gewand bis zu den
Füßen der Frau reicht und sie oft auch barfuß ging.
Zwischen den Frauentrachten Mittel- und Südpalästinas und
denen von Galiläa im Norden bestehen große Unterschiede. Es
soll hier nur eine bestimmte Tracht erwähnt werden, die bis zum
Ende des 19. Jh. fast überall in Galiläa getragen wurde, seit
Beginn dieses Jahrhunderts jedoch nur noch in einigen Dörfern
Obergaliläas anzutreffen war. Zu ihr gehört ein langer, oben
enger Mantel aus dunklem Baumwollstoff (indigoschwarz,
dunkelrot) mit kurzen Ärmeln, der vorn offen ist. Auf den in Hüfthöhe
eingesetzten Seitenteilen und dem Rücken ist er reich und schön
bestickt und vorn und an den Ärmeln mit farbiger Samt- oder
Seidenapplikation verziert. Dieser Mantel wird über einem
knielangen weißen Hemd mit einfachen bündchenlosen Ärmeln
getragen. Unter diesem Hemd trugen die Frauen Hosen in der Farbe
des Mantels, manchmal auch weiße, deren untere Teile bestickt
waren. Den Kopf umhüllten sie sich mit dunklem Stoff, der bis
zu den Schultern reichte, den Hals umschloß und im Nacken
zusammengebunden wurde. Darüber legte man eine farbige
Seidenbinde, die am Hinterkopf geknotet wurde, die Zipfel hingen
lang herunter.
Die am meisten verbreitete Farbe der palästinensischen
Frauenkleider ist dunkelblau (indigo). Man findet auch sehr
viele schwarze und manchmal weiße Kleider. An einigen Orten, z.
B. in den beiden Städten Ramallah und Bira, trägt man im
Winter dunkelblaue und im Sommer weiße Gewänder. Je nach den
örtlichen Traditionen werden auch andersfarbige Kleider
getragen. Im Gebiet von Medschdel hatte man Gewänder aus
schwarzem bzw. indigofarbenem Stoff mit farbigen Randstreifen in
Purpur, Rot, Hellblau oder Grün. In Bethlehem werden Kleider
aus dem al-khidari al-mubarsam-Stoff getragen, der schmale,
vorwiegend rote Streifen hat.
Die palästinensische Stickerei
Die palästinensische Stickerei wird hauptsächlich in drei
Techniken ausgeführt: Kreuzstich, genannt Bauernstich (al-fellahiye),
Kordelstickerei (tahrin und raschiq) und Plattstich (laff). Dazu
kommt noch der Saum- oder Applikationsstich, mit dem die
Kleidersäume verziert und die verschiedenen Seiden- und Samtstücke
aufgenäht werden. Die Stickerei Obergaliläas (Nordpalästina)
hebt sich durch die Verwendung anderer Techniken und Muster von
der im übrigen Palästina ab. Als Stickmaterial dient Seide,
manchmal auch Baumwolle.
Der Kreuzstich dominiert. Er ist auf jedem Kleid zu finden,
ausgenommen auf denen aus Bethlehem. Bei dieser Art von
Stickerei werden zählbare Muster gebildet. Die vorherrschende
Farbe ist Rotbraun. Sie wird je nach Geschmack des Mädchens
oder der Frau durch verschiedene leuchtende Farben ergänzt, so
daß eine angenehme Harmonie entsteht. Bei der eleganten
Kordelstickerei werden auf Seide (hermes) dicke, gezwirnte
Seidenfäden aufgenäht. Sie ist typisch für Bethlehem und war
ursprünglich nur dort zu finden. Bei dieser Technik werden
wellen- und kreisförmige Ornamente, inspiriert durch Blüten
und andere pflanzliche Motive, gebildet. Die Grundfarben sind
Gold, Silber und Rot. Hinzu kommen andere Farben als Ergänzung.
Der Plattstich dient zur Füllung von Leerräumen in den
Ornamenten der Kordelstickerei und bildet somit kein selbständiges
Element in der palästinensischen Stickerei. Man arbeitet hier
mit vielen verschiedenen leuchtenden Farben.
Die Formen und Namen der Grundornamente, die in den meisten
Gegenden Palästinas verwendet werden, beruhen auf der
Verbindung der Palästinenser mit ihrer natürlichen Umgebung
und ihrem gesellschaftlichen Leben. Folgende Bezeichnungen sind
zu finden: Zypressen, Ähre, Feder, hohe Palme, Rosen-»Reihe«,
Apfel-»Reihe«, Tomaten-»Reihe«, Blumentopf, Vögelchen,
Igel, Kuhauge, Halskette, Pascha-Zelte, Monde, Sterne, Leuchttürme,
Kissen, Schwert-»Reihe«, Amulett, Sicheln, Kamm, Uhr. Diese
Namen zeigen die Liebe der palästinensischen Frauen zu ihrer
Umgebung und ihrem Leben, besonders auch ihre enge Bindung an
den Boden und den Ackerbau. Die meisten von ihnen sind Namen,
die mit der Landwirtschaft zusammenhängen, mit Dingen, die im täglichen
Leben der palästinensischen Frauen und Männer eine wichtige
Rolle spielten.
Die Unterschiede im Aussehen der Gewänder der verschiedenen
Ortschaften und Gebiete Süd- und Mittelpalästinas bestehen
nicht in der Verwendung unterschiedlicher Ornamente, sondern in
der Art der Anordnung von relativ wenigen Grundmotiven auf den
Kleidern. Hinzu kommen noch die im vorherigen Abschnitt schon
erwähnten Unterschiede.
Volkstracht und Stickerei früher und
heute
Wie schon erwähnt, haben sich in den letzten 50 Jahren die örtlichen
Besonderheiten der Stickerei und der Trachten im allgemeinen
vermischt. Durch die modernen Verkehrsmittel wurde es den Frauen
möglich, weiter und öfter zu reisen als früher. Sie lernten
die Gestaltungsprinzipien anderer Orte kennen und übernahmen
Motive von importierten Teppichen, Musterbüchern und anderen
Materialien, die sie in der Stadt gesehen hatten. Auch
gesellschaftliche Faktoren spielten bei der Vermischung der
lokalen Stickereitraditionen eine Rolle. Die wichtigste davon
war die Erweiterung des Heiratskreises. Früher wurde der
Ehepartner unter Verwandten oder den Bewohnern desselben Dorfes
oder derselben Stadt gewählt, oder die Partner stammten aus
benachbarten Orten. Nun aber brachten die Bräute aus weiter
entfernten Gebieten ihre heimischen Stickereiformen mit und
beeinflußten dadurch die Trachten im Dorf des Bräutigams.
Andererseits lernten die Verwandten der Braut bei Besuchen im
Dorf des Mannes die dortigen Traditionen kennen und übernahmen
nun ihrerseits Elemente davon.
Die Produktion der Trachten
Der Ruhm der Kordelstickerei verbreitete sich in den 20er Jahren
in vielen Gebieten Palästinas. Das führte zur Entwicklung
einer gewerblichen Stickerei in Bethlehem und im nahegelegenen
Beit Dschala. Einige Frauen stellten nun beruflich bestickte
Bruststücke und Seidenstreifen für Ärmel und Seitenteile her,
die dann meist durch wandernde Händler verkauft wurden. Man nähte
diese Stücke auf die fertigen Kleider auf. Überhaupt wurden
oft die bestickten Teile, wenn die Kleider abgetragen waren, von
diesen abgetrennt und auf neue aufgenäht. Das wird noch heute
praktiziert. Neben dem käuflichen Erwerb fertig bestickter Stücke
gab es auch Nachahmungen der Kordelstickerei in vielen Dörfern.
Außer der Stickerei wurde auch die Brauttracht von Bethlehem
weithin berühmt und von den Frauen in benachbarten Orten übernommen.
Das thob al-malik und die taqsira bildeten seit den 20er Jahren
zwei wesentliche Stücke der Aussteuer, die der Bräutigam, wenn
es seine finanziellen Verhältnisse erlaubten, der Braut übergeben
mußte.
Abgesehen von der Aufmerksamkeit, die die palästinensischen
Frauen ihren Trachten schenken, verwenden sie auch große
Sorgfalt auf die Ausschmückung der Häuser mit Stickereien in
Form von Kissen, Wandbehängen und Tischläufern. Bei diesen
Arbeiten wird der Kreuzstich angewandt. Manchmal verwenden die
Frauen auch gut erhaltene Bruststücke von Kleidern, um daraus
Kissen anzufertigen.
Die palästinensische Männertracht
Die Männertrachten Palästinas unterscheiden sich von denen der
Frauen durch große Schlichtheit. Die am meisten verbreitete
Tracht besteht gewöhnlich aus einem langen Gewand (qumbas),
Hosen (sirwal), weißer Baumwollkappe, Kopftuch (hatta) und
Kopfringen (iqal), Gürtel, Jackett und Umhang (aba'a). Diese
Kleidung tragen alle Dorfbewohner und auch viele Städter.
Der qumbas ist ein fußlanges, vorn offenes Gewand mit engen
langen Ärmeln. Er wird wie ein Mantel getragen. Wenn er
geschlossen wird, schlägt man eine Seite über die andere und
bindet sie mit Hilfe von Bändern, die innen und außen
angebracht sind. Meist wird ein arabisches Hemd im
orientalischen Schnitt darunter getragen. Es hat einen Bündchenkragen,
der etwas höher als der des qumbas ist.
Der einfache qumbas, der am üblichsten ist, wird aus graublauem
Seidenstoft (atlas) hergestellt. Der schlichte qumbas besteht
nur aus gestreiftem Leinen. Er ist billiger und wird dimaya
genannt. Der luxuriöse qumbas besteht aus hellbeiger Seide (al-rusa)
oder aus hellbeiger Seide mit dunkleren Mustern (ghabani,
syrischer Import).
Unter dem qumbas wird eine weiße, schwarze oder dunkelblaue
Hose (sirwal) getragen. Meist trägt man die weißen im Sommer
und die dunklen im Winter. Stoffqualität und Farbe des sirwal
werden durch den qumbas bestimmt. Die gewöhnliche Hose besteht
auch aus Leinen. Um die Hüfte ist der sirwal etwas weit und
unten eng. Eine Schnur hält die Weite zusammen.
Taqiye heißt eine Kappe aus Baumwolle oder Wolle, die in
Handarbeit gefertigt wird. Obwohl sie käuflich erworben werden
kann, stellen manche Männer sie auch selbst her. Die
baumwollene taqiye wird meist unter dem Kopftuch (hatta)
getragen. Da sie den Schweiß aufsaugen soll, wird sie auch »Schweißkappe«
(araqiya) genannt. In manchen Gegenden trägt man wollene Kappen
als alleinige Kopfbedeckung während der Arbeit.
Das Männerkopftuch (hatta, auch kufiye genannt) ist ein
viereckiges Stück weichen weißen Baumwollstoffes, das zum
Dreieck gefaltet um den Kopf gelegt wird, wobei die Zipfel auf
Schultern und Nacken herabfallen. Gehalten wird es durch den
Kopfring (iqal). Dieser ist eine aus Kamel- oder Ziegenhaar
gedrehte schwarze Schnur, die doppelt um das Kopftuch gelegt
wird. Am Hinterkopf hängen zwei oder mehrere dünne Schnüre
mit kleinen Troddeln herab, die von gleichem Material und
gleicher Farbe wie der iqal sind.
Der Gürtel besteht gewöhnlich aus schwarzem Seidenstoff mit
kleinen Fransen. Ist er an beiden Enden mit Silberstreifen
verziert, wird er schamla genannt. Man schlingt ihn mehrmals um
den qumbas. Ein anderer, festlicher Gürtel, den die Alten
tragen, besteht aus weichem Wollstoff, manchmal auch aus Seide
mit eingewebten farbigen Ornamenten. Viele Männer benutzen auch
einen gewöhnlichen Lederriemen als Gürtel, oder man trägt den
qumbas ganz ohne Gürtel.
Über dem qumbas wird gewöhnlich ein kurzes europäisches
Jackett getragen, das manchmal knielang ist. Qualität und
Farben seines Stoffes werden von der Art des qumbas bestimmt.
Die aba'a ist ein mantelartiger Überwurf. Im Sommer besteht sie
aus dünner, transparenter, weicher weißer oder beiger Wolle.
Die winterliche aba'a besteht aus dicker Wolle, meist braunem
oder schwarzem Kamelhaar. Sie ist rechteckig geschnitten und hat
an den Seiten oben je eine Öffnung für die Hände. Vorn ist
sie offen und besonders am Hals mit Ornamenten aus gestickten
Goldfäden verziert. Die aba'a ist keine Arbeitskleidung und
auch kein volkstümliches Kleidungsstück, sondern wird bei
besonderen Gelegenheiten und von Männern in gehobenen
gesellschaftlichen Positionen getragen. Sie ist nicht typisch für
Palästina, sondern ist in allen Ländern des arabischen Ostens
zu finden.
Die Arbeiter an der Küste tragen eine besondere Tracht, vor
allem in den Hafenstädten Jaffa und Akka. Sie besteht aus dem
arabischen Hemd, einer Weste (sdeiri), einer Hose (sirwal), Gürteltuch
(schamla) und dem Tarbusch. Die sdeiri ist eine hüftlange, ärmel-
und kragenlose Weste. Sie kann mit Hilfe von Schlaufen und
gedrehten Knöpfen vorn geschlossen werden. Knöpfe und
Schlaufen sind von einigen Ornamenten - in ähnlicher Farbe wie
die Weste - aus dicken Seidenfäden umgeben. Die Hose (sirwal)
ist bei dieser Tracht oben breiter, weiter und faltenreicher als
der gewöhnliche sirwal, der schon erwähnt wurde, und hat außerdem
im Gegensatz zu ihm an den beiden Seitentaschen in
Kordelstickerei aufgestickte Ornamente in der gleichen Farbe wie
der Stoff. Das ebenfalls bereits erwähnte Gürteltuch (schamla)
wird hier über den oberen Rand der Hose um die Taille
geschlungen und befindet sich unter der Weste.
Silberschmuck
Die Schmuckherstellung gehört zu den uralten palästinensischen
Traditionen, die seit Jahrtausenden existieren. Schon die kanaanäischen
Frauen schmückten sich mit Ketten, Armreifen und dergleichen
mehr. Silber-, weniger Goldschmuck, wurde in allen Städten Palästinas
hergestellt. Der Silberschmuck besitzt einen höheren künstlerischen
Wert als der Goldschmuck. Dieser hat seinen materiellen Wert,
unterscheidet sich aber in seinen Formen in Palästina im
allgemeinen nicht sehr von dem in den übrigen arabischen
Gebieten. Jerusalem ist für das Silberschmiedehandwerk, das
sich dort vor allem während der letzten 50 Jahre entwickelte,
besonders bekannt.
So wie für jedes Gebiet und jede Ortschaft in Palästina eine
bestimmte Tracht kennzeichnend ist, verhält es sich auch mit
dem Silberschmuck: die Frauen von Nablus z. B. tragen andere
Halsketten als die von Hebron, Beersheba oder Jerusalem.
Folgende Stücke gehören zum Silberschmuck:
1. Halsschmuck
a) einfacher snak - eine Kette, die die Haube (wuqa) auf dem
Kopf hält. Unter dem Kinn hat sie eine alte Silbermünze.
b) siebenteiliger snak - besteht aus sieben miteinander
verbundenen Ketten und hält die Bethlehemer schatwa auf dem
Kopf.
c) al-kirdan - ein enges Halsband aus an einem Stoffband
befestigten »Silberfingern«. An diesen hängen Ringe, Kugeln,
Figuren und kleine Münzen, in der Mitte noch ein oder mehrere
Halbmonde.
d) al-scha'ira - eine Kette aus einer Reihe von Perlen in Form
von Gerstenkörnern.
e) al-kirs - eine Kette mit einem länglichen Anhänger mit
Koranversen oder mit einem anderen Amulett.
f) al-maska - eine Kette mit einem Dreieck, an dem alte Silbermünzen
hängen.
g) al-samaka - Ein Anhänger in Form eines Fisches, der an einer
Kette hängt.
2. Armreifen
a) al-mashub oder al-sahib - einfach, schmal ohne Verzierungen
b) al-muhabbar- breit oder verziert. Die tiefen Teile haben
schwarzoxydierte Ornamente.
c) al-haidan - mittelbreit, mit fünf kuppelförmigen
Erhebungen.
d) al-hibayat - aus mehreren Teilen zusammengefügt, mittelbreit
oder breit.
e) al-mabrum - Armband aus zwei gedrehten dicken Silberschnüren.
3. Fußreifen
manchmal hidschil genannt. Sie wurden über dem Fuß am Bein
getragen. Einige waren mit Schellenglöckchen versehen. Außerdem
wurden Ohrringe, Fingerringe und verzierte Nasenringe (schnaf)
sowie Haarspangen hergestellt
Metallverarbeitung
Kupfergefäße, Eisengeräte und traditionelle Waffen waren
neben der Schmuckherstellung die Hauptzweige der
Metallverarbeitung in Palästina. Die wichtigsten Kupfergefäße
waren und sind die Kaffeekannen, von denen je nach der
jeweiligen Funktion verschiedene Größen und Formen hergestellt
werden. Außerdem werden Wasserkannen und entsprechendes Zubehör
sowie verschiedene Holzkohlebecken mit den nötigen Zusatzgeräten
angefertigt. (Letztere dienen als Wärmebecken oder zum
Kaffeekochen.) Weiterhin stellte man große Teller her - sowohl
zur Benutzung als auch zur Zierde -, die durch ihre Verzierungen
künstlerischen Wert besitzen.
Dieses Handwerk war in etlichen palästinensischen Städten
verbreitet, z. B. in Jerusalem, Jaffa, Nablus, Nazareth und Akka.
Bei den meisten Eisengeräten, die hergestellt wurden und
werden, handelt es sich um landwirtschaftliche Geräte: Pflüge,
Sicheln, Beile, Hacken mit breitem, gebogenem Blatt und andere
Werkzeuge.
Als die traditionellen Waffen nicht mehr benutzt wurden,
verschwand auch das Waffenschmiedehandwerk fast gänzlich aus
Palästina. Nur noch sehr wenige Handwerker arbeiten darin nach
den alten Methoden. Der Verwendungszweck hat sich geändert:
Schwerter, Dolche und schibriyat (eine besondere Dolchart)
werden nur noch hergestellt, um bestimmte Traditionen zu
erhalten, als Zeichen des Ranges und zur Zierde. Sie sind z.T.
sehr kostbar. Man verziert sie mit arabisch-islamischen Mustern,
und manchmal bedecken Einlegearbeiten aus Edelsteinen, Perlmutt
und Elfenbein den gesamten Griff und die Scheide, die oft aus
Silber mit eingelegtem Gold besteht. Zuweilen enthält auch die
Klinge einige Verzierungen.
Das Glas von Hebron
Die Glasherstellung hat in Palästina eine uralte Tradition. In
der Nähe der Mündung des Na'amin in den Golf von Akka
entdeckten wahrscheinlich die Kanaanäer vor etwa 4000 Jahren
das Geheimnis der Glasherstellung. Wohl nach dem Erlöschen
eines Feuers, das lange gebrannt hat, wird man festgestellt
haben, daß sich aus dem reinen Seesand am Golf von Akka und
einem sich zufällig am Feuerplatz befindlichem Material ein
durchsichtiges Stück gebildet hatte. Daraufhin unternommene
Versuche lösten das Geheimnis der Glasherstellung. Die Kanaanäer
stellten daraus dann Gefäße her.
Die heutige traditionelle Glaswerkstatt von Hebron gehört zu
den wichtigsten Elementen des palästinensischen künstlerischen
Erbes. Diese Glasbrennerei wurde weltberühmt. Sie hat eine
Jahrhunderte alte Geschichte. Leitung, Kontrolle und Arbeit in
diesem Handwerksbetrieb liegen in der Hand einer Familie, den
al-Natscheh, die ihr Berufsgeheimnis seit Jahrhunderten von den
Vätern an die Söhne weitergegeben hat.
Das alte Verfahren wird bis heute im Werk praktiziert. Es werden
mundgeblasene, handgeformte Krüge, Vasen, Lampen, Teller und Gläser
in verschiedenen Formen, Farben und Größen hergestellt. Auch
fertigt man 4 cm lange und etwa 2 cm breite Glasstücke, aus
denen besondere Lampen und Halsketten für Frauen angefertigt
werden. Das Glas hat vorwiegend blaue Färbungen, vor allem türkis
und ultramarin, aber es werden auch hell- und dunkelviolette
sowie honigfarbene Gläser hergestellt. Früher gab es noch ein
dunkles Rot, das jedoch aus unbekannten Gründen nicht mehr von
diesem Betrieb hergestellt wird.
Perlmuttarbeiten
Bethlehem ist nicht nur für seine einzigartige Stickerei
sondern auch für seine Perlmuttarbeiten berühmt. Es ist die
einzige Stadt Palästinas, in der aus Perlmutt Kostbarkeiten
hergestellt wurden und werden, die für ihre besonderen Formen,
Farben und Gravierungen berühmt sind.
Auch die Perlmuttverarbeitung hat, wie die Glashütte von
Hebron, jahrhundertealte Tradition. Begonnen wurde ursprünglich
mit der Herstellung von Gebetsketten, die man an die nach
Bethlehem kommenden Pilger als Andenken an die heiligen Stätten
verkaufte. Seit Ende des 19. Jh. entwickelte sich daraus eine
breite Produktion von Schmuck, Einbänden für religiöse Bücher,
Kästen in verschiedenen Formen und Größen, Modellen berühmter
Gebäude - wie z. B. des Felsendoms von Jerusalem - und von
Bildern, die z. B. die Geburt Christi darstellen, u. a. m. Zur
Herstellung der Perlmuttkästen wurde auch Olivenholz und bei
der Anfertigung einiger Arten von Perlmuttschmuck Silber
verarbeitet.
Ursprünglich wurde dieses Gewerbe nur von den Einwohnern
Bethlehems ausgeübt. Aber seit Beginn unseres Jahrhunderts
haben diese auch ihre Nachbarn in den Dörfern Beit Dschala und
Beit Sahur angelernt, da die Nachfrage nach Perlmutterzeugnissen
stark angewachsen war.
Das Rohperlmutt wird aus Indien (Bombay) und Saudi-Arabien (Dschidda)
importiert. Man legt es dann in mit Chemikalien versetztes
Wasser. Darin wird es gesäubert und eingeweicht. Danach
schneidet man es entsprechend dem Verwendungszweck in
verschiedene Formen. Diese Stücke durchlaufen anschließend
eine Reihe von Verarbeitungsstufen, für die jeweils andere
Arbeiter verantwortlich sind, so daß gewisse
Produktionsgeheimnisse gewahrt bleiben können. Das Perlmutt
gibt es in zwei Grundfarben: Weiß und ein in allen
Regenbogenfarben schillerndes Grün. Beide Sorten glänzen und können
gefärbt werden.
Die Olivenholzschnitzereien
Für die Bearbeitung von Olivenholz ist Jerusalem berühmt.
Dieses Gewerbe ist jedoch im Gegensatz zur Glas- und
Perlmuttherstellung höchstens 100 Jahre alt. Nur die
Herstellung von Lampen aus Olivenholz und Olivenkernen ist von
alters her bekannt. Sie wurde schon vor Jahrhunderten von vielen
arabischen und ausländischen Reisenden erwähnt.
Der Zustrom von Pilgern und Touristen nach Palästina, besonders
nach Jerusalem und Bethlehem, veranlaßte die Einheimischen,
auch Holzschnitzereien als Andenken an Jerusalem zu verkaufen.
Dosen und Schmuck, menschliche Figuren und Tiere wurden
hergestellt. Das Holz dazu kam von den bei Jerusalem so
reichlich vorhandenen Olivenbäumen. Dieses Holz zeichnet sich
durch die Schönheit seiner Maserung und seiner Farbe aus. Hinzu
kommen seine Festigkeit und Haltbarkeit. Olivenholz kann nur in
völlig trockenem Zustand verarbeitet werden, da es sich sonst
spaltet. Nach der Verarbeitung erhält es keine Politur, sondern
wird nur mit »listro« (einer besonderen Flüssigkeit, gemischt
mit Spiritus) oder Olivenöl eingerieben. Dadurch wird die Schönheit
seiner natürlichen Farbe und Maserung erhalten.
Die Keramikproduktion von Jerusalem
Die meisten Verzierungen und Inschriften des Felsendoms und der
Al-Aqsa- Moschee in Jerusalem bestehen aus Keramikfliesen. Da
diese beiden Moscheen ständig restauriert werden müssen und um
die in ihnen und in anderen Moschee befindlichen Kunstschätze
zu erhalten, wurde 1919 in Jerusalem unter türkischer Leitung
eine Keramikwerkstatt errichtet, die dann in einheimische Hände
überging.
Neben den Ersatzteilen für die Restaurierung stellt das Werk
seit seiner Gründung die verschiedensten Gefäße her, wie
Kannen, Vasen, Teller, Öllampen usw. Mit dieser
kunstgewerblichen Produktion stellte man sich auch hier auf den
Wunsch der Pilger und Touristen nach Andenken aus Jerusalem ein.
Die Produktion erfolgt nach wie vor in Handarbeit: die Töpferscheibe
wird mit dem Fuß gedreht und die Bemalung erfolgt manuell. Die
Brenntechnik ist etwas weiterentwickelt: man verwendet statt
Holz Heizöl und Gas. Der türkische Einfluß ist im Dekor noch
zu erkennen, jedoch läßt man sich in jüngerer Zeit meist von
Ornamenten und Inschriften des Felsendoms, der Al-Aqsa-Moschee
oder der frühislamischen Omayyadenschlösser Palästinas (z. B.
dem Hischam-Palast bei Jericho) inspirieren.
Palästinensische Töpferwaren
Die Töpferei ist auch in Palästina ein uraltes Handwerk,
dessen Geschichte bis in die jüngere Steinzeit zurückgeht.
Archäologische Grabungen brachten Gefäße von
unterschiedlichen Formen, die verschiedenen Zwecken dienten,
zutage. Die Verzierung zeigte Ornamente, die dem Tier- und
Pflanzenreich entstammten.
Durch Jahrtausende hindurch wurden in Palästina Töpferwaren
produziert. Die einfachen Menschen stellten die meisten Tongefäße,
die sie im Haus zur Aufbewahrung des Öls, der Oliven und des
Getreides benötigten, selbst her. Auch heute werden noch Töpferwaren
in traditioneller Art und Weise hergestellt. Bei der
Vorbereitung des Tons, beim Formen und beim Brennen der Gefäße
werden einfache Produktionsmethoden angewandt. Die fußbetriebene
Töpferscheibe ist allgemein üblich. Zentren dieses volkstümlichen
Gewerbes waren die Städte Ramleh, Hebron, Akka und Gaza. Seit
1948 wird es nur noch in Gaza, Hebron und Nablus gepflegt. Das
Dorf Al-Dschib bei Jerusalem war für seine Herstellung von
Kochgefäßen berühmt.
Man fertigt überwiegend Gefäße für die Speisenzubereitung
und zur Wasseraufbewahrung an. Sie haben spezielle Formen, die
in den benachbarten arabischen Ländern nicht üblich sind. Außerdem
werden auch die Körper einiger Rhythmusinstrumente, wie der
durbakka, der tabla, der naqqara und der baze, aus Ton
gefertigt. Je nach Dauer und Art des Brennvorganges sind die Töpferwaren
hell (rötlich oder beige) oder schwarz (typisch für
Erzeugnisse aus Gaza). Viele Gefäße sind rot oder schwarz
verziert, manchmal mit pflanzlichen Motiven, meist aber mit
einfachen Linien und Ornamenten ohne Bedeutung. Bestimmte Gefäße,
wie Töpfe, Teller und große Vorratsgefäße für Öl, werden
glasiert.
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