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Mühsame Friedensarbeit

von Vladimir Müller, DEUTSCHE WELLE

 

Noah Salameh, Direktor des palästinensischen Zentrums für Konfliktlösung und Versöhnung in Bethlehem und der israelische Friedensaktivist Amos Gwirtz sind auf einer Vortragsreise in Deutschland. Vladimir Müller sprach mit ihnen über ihre schwierige Arbeit in Palästina und Israel.

"Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Israelis, wir sind nicht grundsätzlich gegen die Juden, wir sind gegen die Besatzung" - Noah Salameh hat aus dieser Haltung Konsequenzen gezogen: Seit der Gründung 1999 arbeitet er als Direktor des Zentrums für Konfliktlösung und Versöhnung in Betlehem. Der 52-Jährige war zuvor Sprecher im palästinensischen Arbeitsministerium.

"Israelis und Palästinenser müssen sich als zivile Menschen begegnen", wünscht sich Noah Salameh. Die meisten Palästinenser kennen Israelis nur als Soldaten. Seit dem Scheitern des Osloer Friedensprozesses und dem Ausbruch der zweiten Intifada vor fast vier Jahren ist der Dialog zwischen den beiden Völkern beinahe verstummt.

Frieden und Gewaltlosigkeit

Salameh will dazu beitragen, dass dieser Dialog wieder aufgenommen wird. Dabei arbeitet er mit verschiedenen israelischen Friedensinitiativen zusammen. Das von ihm geleitete "Zentrum für Konfliktlösung und Versöhnung", das sein einem Jahr vom Deutschen Entwicklungsdienst unterstützt wird, setzt sich aber zum Beispiel auch für Friedenserziehung in den palästinensischen Schulen ein:

"Wir versuchen die Werte des Friedens und der Gewaltlosigkeit den Menschen einzupflanzen." "Wir sind tätig innerhalb der palästinensischen Gesellschaft: Wir gehen in die Schulen.

Dort bieten wir Friedensunterricht und Training in Gewaltlosigkeit an. In diesem Jahr arbeiten wir mit 15 staatlichen und privaten palästinensischen Schulen zusammen. An diesem Training nehmen über 600 Lehrer und einige Tausend Schüler teil."

Das Zentrum organisiert unter anderem psychologische Beratung für junge Palästinenser, die zum Beispiel durch Gewalt an ihren engsten Angehörigen traumatisiert sind: "Wie laden diese jungen Leute ein, um darüber zu sprechen, was sie erlebt hatten, was sie denken, was sie fühlen, um sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Damit sie nicht den Weg der Gewalt gehen."

Es gibt kaum eine palästinensische Familie, die von der alltäglichen Gewalt der Besatzung nicht betroffen wäre, sagt Salameh. Kein Wunder, dass nicht wenige junge Palästinenser Rachegefühlen erliegen und selbst Gewalt - als Selbstmordattentäter - anwenden:

"Gewalt erzeugt weitere Gewalt. Und die Gewalt der israelischen Regierung - Zerstörung von Häusern, fortsetzende Besatzung - erzeugt weitere Gewalt. Da wollen wir einsetzen mit unserem gewaltlosen Weg. Und manchmal sind wir erfolgreich."

Israelische Friedensbewegung

Einen Verbündeten - sozusagen auf der anderen Seite der Barrikade - findet Noah Salameh in Amos Gwirtz. Der 58-jähriger Arbeiter ist seit vielen Jahren aktiv in der israelischen Friedensbewegung.

Seit 1997 engagiert er sich im "Israelischen Komitee gegen Zerstörung von Häusern" - also gegen eine Strategie, die die israelische Armee immer wieder anwendet, zuletzt bei den verheerenden Überfällen im südlichen Gazastreifen.

Gwirtz gehört in Israel zu einer verschwindenden Minderheit, doch in der letzten Zeit habe die Friedensbewegung in Israel Aufwind bekommen: Die so genannte Genfer Initiative von einigen linken israelischen Spitzenpolitikern und Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde habe auch der israelischen Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass es Verhandlungspartner auf der anderen Seite gebe.

Für Gwirtz gehört dazu auch Palästinenserpräsident Yasser Arafat, den Israels Premier Ariel Scharon längst für "irrelevant" hält:

"Es ist möglich, einen Friedensvertrag zu schließen. Es kommt nur auf den Willen beider Seiten an. Für uns ist Arafat der palästinensische politische Führer, der die Nationalbewegung der Palästinenser dazu gebracht hat, die völlige Ablehnung Israels aufzugeben und historische Kompromisse zu schließen."

Vom einseitigen Rückzug der israelischen Siedler und der Armee aus Gaza - wie ihn Scharon gedenkt umzusetzen - hält Gwirtz nicht viel:

"Wenn er rausgehen wird, entsteht dort Chaos, denn das Gebiet wird nicht an jemand übergeben, so dass er wieder zurückkommen wird." "Scharons Programm ist Groß-Israel. Er ist verantworlich für den Bau der meisten Siedlungen. Das ist sein Lebenswerk und ich bin sicher, er wird es nicht ändern."

Noah Salameh ist auch skeptisch. Der Stillstand in den Verhandlungen im Nahen Osten könne nur durch Einbeziehung eines neutralen Dritten beendet werden: "Ich hoffe, die Vereinten Nationen werden diese Funktion übernehmen - und die Europäer."

 

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