Anteil
des Gesundheitsetats am BIP: 4,9 %
Medizinische
Versorgung: 0,5
Ärzte, 1,2 Krankenhausbetten/1000 Einwohner
Säuglingssterblichkeit:
21/1000 Geburten
Lebenserwartung:
Männer 71, Frauen 75 Jahre
Kinderunterernährung: 4%
Der Aufbau eines modernen und umfassenden Gesundheitswesens, zu dem
alle Palästinenser Zugang haben, ist eines der vorrangigen Ziele der
palästinensischen Regierung. Dabei stellt der vernachlässigte, ja
geradezu katastrophale verschlechterte Leistungsstandard der
medizinischen Versorgung unter der knapp 30 Jahre währenden
israelischen Besatzung die größte Herausforderung dar.
Das Gesundheitswesen in Palästina wird von vier Organisationen
getragen:
A ) der Regierung
B ) der UNRWA
C ) den Nicht-staatlichen Organisationen (NGO's) und
D ) der Privat-Medizin Die Regierung bzw. die israelische
Besatzungsmacht brachte es fertig, 26 Jahre lang nur 9
Krankenhäuser, anstelle von 12 zu jordanischer Zeit, zu unterhalten.
" Zum Leben zu wenig - zum Sterben zuviel ".
Die Besatzungsmacht gestaltete diese Krankenhäuser um, so dass sie
im besten Fall als Überweisungskrankenhäuser für die israelischen
Universitäten dienten; insbesondere auf dem Gebiet der Onkologie und
Radiotherapie.
Diese Stagnation der Entwicklung (bei Stagnation sprechen wir hier
von Rückständigkeit) brachte erwartungsgemäß mehrere soziale
Spaltungen sowie den Verlust von Respekt und Vertrauen der
Bevölkerung zur arabischen Medizin und zum arabischen Arzt mit sich.
Die Besetzung eines Landes ist eine Sache, die Verknechtung und
Versklavung der Menschen ist eine andere Sache. (Wir könnten Ihnen
unzählige Beispiele darüber bringen, wie die israelische
Besatzungsmacht 26 Jahre lang versuchte, die palästinensische
Gesellschaftsstruktur mit allen ihr , zur Verfügung stehenden
Mitteln zu spalten.)
Die UNRWA erhielt von der UNO ein Mandat, für die palästinensischen
Flüchtlinge von 1948 in den Bereichen Gesundheit und Erziehung
verantwortlich zu sein.
Sie mieteten dazu ein 140-Betten- Krankenhaus in Jerusalem, sowie
einige Betten in Hebron, Nablus, Kalkiliya und Gaza. Ungefähr 300
Betten standen für 1,2 Millionen Menschen zur Verfügung (1 Bett für
4000 Menschen).
Die UNRWA zahlte zwar das gesamte Budget, so dass der
Flüchtlings-Patient umsonst behandelt werden konnte, aber nur bis
1995.
Von da an sah sich die UNRWA verpflichtet, Druck auf die neue PNA
und die Flüchtlinge auszuüben. Und so plante sie mit dem
lutherischen Weltbund mehrere NGO's und setzte durch, dass der
Flüchtlingspatient 30 Dollar pro Tag für stationäre Behandlung im
Augusta-Viktoria-Krankenhaus, Jerusalem, zu zahlen habe. Dies in
einer Zeit, in der 70% der Flüchtlingsbevölkerung arbeitslos waren
und noch sind.
Aufgrund des Versagens dieser zwei Systeme entstand
1) eine Art Privat-Medizin als Ersatz und
2) eine Medizin auf sozialen und menschlichen Idealen basierend.
Junge, neu zurückgekehrte, palästinensische Ärzte waren Ende der
70er, Anfang der 80er Jahre von dem desolaten gesundheitlichen
Zustand sehr betroffen. Man organisierte sich und fing an, während
der Freizeit die Bewohner entlegener Dörfer, vorrangig im Jordantal
und in der Gegend um Hebron, zu behandeln und soweit wie möglich
auch mit Medikamenten zu versorgen. Man gründete Genossenschaften
und mit der Hilfe
nationalpalästinensischen Kapitals schuf man die ersten Ansätze für
Krankenversicherungen.
Viele niedergelassene Fachärzte erklärten sich bereit, ihr ohnehin
niedriges Honorar um 50% zu reduzieren.
Viele NGO's begriffen diese Botschaft und boten ihre Hilfe an. Mit
der Zeit entstanden in allen Städten und Dörfern
Gesundheitsorganisationen, und obwohl sie untereinander
konkurrierten und duplizierten, haben wir es ihnen zu verdanken,
einen großen Teil der Last des Gesundheitswesens mitgetragen zu
haben.
Bestand z.B. der leiseste Verdacht auf Ausbruch einer Epidemie, so
waren sie die ersten, die halfen.
In der Zeit der Intifada behandelten ihre Gesundheitsteams unter oft
lebensbedrohlichen Umständen die Patienten in den Flüchtlingslagern,
die oftmals mehrere Wochen unter Ausgehverbot standen und versorgten
die Kinder mit den notwendigsten Nahrungsmitteln.
Während des Massakers in der AI-Aksa Moschee in Jerusalem und in der
AI-Ibrahimiye Moschee in Hebron, waren ihre Teams die ersten, die
den Verwundeten beistanden. Hier sei lobend zu erwähnen, wie sie
durch ihren Einsatz und mit gutem Fachwissen die Verletzten mit
moderner Wiederbelebungstechnik behandelten, sie mit ihren
Privatwagen in die umliegenden Krankenhäuser transportierten und auf
diese Weise Hunderten von Verwundeten das Leben retteten.
Ziehen wir das alles in Betracht, so sieht man, wie komplex und
schwierig die Lage war, als "OSLO" entstand und die Palästinenser
zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen palästinensischen
Gesundheitsminister bekamen. Er sollte Gesundheitsminister sein und
ein Ministerium dirigieren, durfte und darf sich aber bis heute nur
in Zone A aufhalten und benötigt eine Genehmigung der
Besatzungsmacht, um sich in Zone A, B, und C zu bewegen.
Die Umwelt und ihre Probleme, das Wasser und seine Probleme
entziehen sich ebenso seiner Kontrolle. Es war und ist noch immer
schleierhaft, wie dieses Ministerium seiner vollen Verantwortung als
Gesundheitsministerium nachkommen kann.
Daher war es lebensnotwendig, durch einen langsam beginnenden,
demokratischen Prozess die Koordination und Kooperation mit allen
Gesundheitsgruppierungen zu starten, um
1) die Prioritäten herauszuarbeiten und nach gegebenen Möglichkeiten
gemeinsam zu implementieren, und
2) klarzustellen, dass diese Aufgaben in den Verantwortungsbereich
des Gesundheitsministeriums gehören.
Wie z.B. Primary Health Gare (Mother and Child- Gare, Gommunity
Health). Auch die sekundäre Krankenhausmedizin zählt zu den Aufgaben
dieser Regierung. Teile der tertiären Medizin könnte man in der
privaten Medizin belassen, und man könnte auch als Ministerium
Dienste dieser Institute kaufen, jedoch nach klaren,
marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Die Zentralisierung der
Planung ist in dieser Phase notwendig, vorwiegend in der
Grundversorgung.
Die Kooperation mit internationalen NGO's muss zum Ziel haben: Hilfe
zur Selbsthilfe nach einer festgelegten, hausgemachten Agenda, die
die Selbständigkeit und freie Entscheidung hat, ohne dem politischen
Missbrauch und der Ausbeutung ausgesetzt zu sein.
Um dieses große, langjährige Ziel zu erreichen, ist es unsere
Aufgabe, hier in erster Linie Regierungskrankenhäuser auf
verschiedenen Ebenen zu unterstützen.
Der Friede kann nur zwischen Völkern geschlossen werden. Er muss an
der Basis entstehen. Das setzt voraus, dass die beiden Völker sich
gegenseitig respektieren und das Recht geben zu existieren.
Jeder von außen diktierte Friede und jeder mit Drohungen und
Waffengewalt durchgesetzte Friede kann kein Friede auf Dauer sein.