Brief von Dr. Izzeddin Musa
Hetztagung
An Herrn
Dr. Bernhard Vogel
Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Rathausallee 12
520 Sankt Augustin
Sehr geehrter Herr Dr. Vogel,
Am Dienstag, 30.
November 2004, habe ich an einer Tagung in Ihrer Stiftung
(Bildungszentrum Eichholz) „Israel und die arabischen Staaten.
Der schwierige Weg zum Frieden in Nahost“ teil genommen.
Was ich
dort erleben durfte, hat mich zu tiefst irritiert und
schockiert. Glaubte ich bisher, das Ihre Stiftung sich einer
objektiven, pluralistischen auf Ausgleich zielenden politischen
Bildung verpflichtet fühlt, wurde ich durch zwei Referenten
eines Besseren belehrt. Es ging Herrn Dr. Jochen Müller und
Herrn Matthias Küntzel bei ihren Vorträgen nicht um sachliche
Information, sondern um Agitation und Hetzpropaganda. Beide
Vorträge zeichneten sich durch extreme Einseitigkeit,
Falschinformationen und Diffamierungen des Islam und der Araber
im Besondern aus. Sie waren nicht informativ, sondern förderten
eher Desinformation und Vorurteile; somit dienten sie
letztendlich der Anstachelung von antiarabischen Gefühlen,
insbesondere mit Zielrichtung Palästina. Selbst der
deutsch-palästinensische Referent, Herr Dr. Hajjaj, verwahrte
sich gegen eine solche einzigartige herabwürdigende
Einseitigkeiten.
Beide Referenten gelten unter Insidern als unseriös, dies hätte
eigentlich Ihrer Stiftung und dem Veranstaltungsleiter, Herrn
Dr. Erler, bekannt sein sollen. Ein Blick ins Internet hätte
genügt. Die Schriften von Küntzel sind einschlägig bekannt; er
tritt gewöhnlich nur bei extremistischen Gruppierungen wie den
Antideutschen, Honestly Concerned und anderen unseriösen
Organisationen auf, die gegen Araber und Muslime in der
arabischen Welt hetzen. Warum hat Ihre Stiftung ihm eine solches
Podium verschafft? Der Repräsentant von MEMRI (Middle East Media
Research Institute, Berlin), Herr Dr. Müller, vertritt eine
Organisation, deren Gründer, Oberst Yigal Carmon, ein ehemaliger
Chef des israelischen militärischen Geheimdienstes, sich immer
für Besatzung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes
öffentlich stark gemacht hat. Von Carmon ist öffentlich nichts
überliefert, was auf einen friedlichen Ausgleich zwischen
Israelis und Palästinenser hindeutet. Ziel und Arbeit von MEMRI
ist es, Kommentare aus arabischen Zeitungen mit einem
verfälschenden und verstärkt antiarabisch-isalmischen Tenor für
die westliche Öffentlichkeit zu übersetzen. Wie unseriös MEMRI
ist, zeigt sich auch daran, dass sich die Organisation zusammen
mit anderen extremistischen Organisationen wie Honestly
Concerned, „die Jüdische“ aus Österreich und anderen an einer
Hetzkampagne gegen die Organisatoren der Frankfurter Buchmesse
beteiligt haben. Selbst die Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte
keine „antisemitischen“ Werke bei den arabischen Ausstellern
finden. Herr Neumann, der Chef der Buchmesse, wurde in
ehrabschneidender Weise diffamiert. Und mit solchen
Organisationen und Personen arbeitet Ihre Stiftung zusammen und
erhält dafür auch noch öffentliche Steuermittel.
Sehr geehrter Herr Dr. Vogel, ich hoffe, Sie werden dafür Sorge
tragen, dass Ihre Stiftung nicht nur einen Beitrag zur
friedlichen Beilegung des Nahostkonfliktes leisten will, sondern
sich auch für einen Ausgleich zwischen Muslimen, der arabischen
Welt und Europa, insbesondere Deutschlands einsetzt. Diesem Ziel
fühlten sich die beiden Referenten bestimmt nicht verpflichtet,
da sie durch ihre einseitige Propaganda und wahrheitswidrige
Verzerrungen über die arabische Welt neue Gräben in Form
übelster Vorurteile ausgehoben haben.
Als Deutsch-Palästinenser bin ich bisher davon ausgegangen, dass
Tagungen von politischen Stiftungen mit Mitteln des
Steuerzahlers finanziert, der politischen Ausgewogenheit dienen
sollten. Ich wurde aber durch diese Veranstaltung eines Besseren
belehrt. Ich erlaube mir deshalb, dieses Schreiben nachrichtlich
an folgende Personen und Institutionen weiterzuleiten. Ich
hoffe, dass sich dieser Missbrauch von Steuergeldern in Zukunft
in Ihrer Stiftung nicht mehr wiederholen wird.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Izzeddin Musa
Nachrichtlich an:
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Bundesinnenminister Otto Schily
Bundestagsabgeordnete
Vorsitzender des Finanzausschusses
Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung
Presseorgane
Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Friedrich-Naumann-Stiftung e.V.
Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V.
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