Im
Gleichschritt
BEKLAGENSWERTER ZUSTAND
ARABISCHER KNIEFALL VOR DEN USA UND DER "ROAD MAP"
von
Ludwig Watzal
Ein protziger Reichtum mochte einigen Scheichtümern im Nahen
Osten lange Zeit als sicherer Wechsel auf die Zukunft
erscheinen. Doch selbst als das noch zutraf, konnte aus ökonomischer
Prosperität wenig politisches Kapital geschlagen werden.
Inzwischen werden arabische Vorschläge für die Lösung des
Nahostkonflikts von den US-Eliten kaum noch zur Kenntnis
genommen - vor allem der durchaus ausgewogene und realistische
saudische Friedensplan hat nichts bewirkt. Er wurde von Israel
einfach torpediert und war damit von der Agenda gestrichen.
Vieles spricht dafür, dass die arabische Nation der
Bush-Administration bis heute völlig fremd geblieben ist und
von dieser bestenfalls als kollektive Bedrohung empfunden wird.
Insofern ist auch die Arabische Liga als souveräner Akteur
nicht gefragt - sie wird statt dessen auf interne Verständigungen
beschränkt und in Abhängigkeit gehalten. Das fällt den
Amerikanern nicht sonderlich schwer, da viele Regenten nur Dank
finanzieller und militärischer Hilfe aus Washington noch
regieren. Faktisch können die Araber weder frei über ihre
Ressourcen verfügen, noch eine nationale Interessenpolitik
verfolgen, wenn dies US- Bestrebungen in der Region zuwiderläuft.
Und das ist oft der Fall.
Mehr als nur Symptome für diesen beklagenswerten Zustand
lieferte das Gipfeltreffen mit George W. Bush während der
vergangenen Woche im ägyptischen Sharm el-Sheik. Vor imposanter
Postkartenkulisse wurden im ägyptischen Badeort Präsidenten
und Scheichs auf den Anti-Terror- Krieg und die Road Map
eingeschworen, ja man konnte fast von einer Vereidigung reden -
beides ausschließlich im Interesse der USA. Die Road Map soll
dem Nahen Osten einen "amerikanischen Frieden"
bringen, der von den Palästinensern die Aufgabe ihrer
nationalen Identität verlangt. Der israelisch-palästinensische
Konflikt beginnt nach dieser Agenda im Übrigen erst 1967 und
nicht mit der Staatsgründung Israels 1948. Eindrucksvoller
lassen sich die
Geschichts-Missverständnisse ihrer Verfasser kaum bezeugen.
Dennoch war der arabische Konsens in Sachen Road Map letztlich
einhellig, während Israel erst einmal 14 Einwände geltend
machte, bevor es sein Plazet gab. Für Premierminister Abbas
sollte es daher keinen Zweifel geben, dass dieser Plan allein
amerikanisch-israelischen Interessen dient. Von ihm wird ein
"hundertprozentiger Einsatz gegen Terror" verlangt.
Haben die USA auch nur einmal darüber nachgedacht, welchem
Terror die Palästinenser tagtäglich ausgesetzt sind?
Dass in Sharm el-Sheik die handverlesene Schar arabischer
Staatschefs mehr oder weniger vorbehaltlos die amerikanische
Einstufung von Hamas, Islamischer Jihad oder Al-Aqsa-Brigaden
als reine Terror-Organisationen übernahm, war dann nur noch
eine marginale Episode, um die große Unterwerfung zu
akzentuieren.
Das Gerede von Präsident Bush über Demokratie im "Irak à
la American style" bedeutet nichts anderes als den Aufbau
eines kolonialen Systems ähnlich dem israelischen in Restpalästina
seit 1967. Die USA haben schließlich nie ein Hehl aus ihrer
Absicht gemacht, einen fundamentalen Wandel in der arabischen
Welt herbeizuführen. Aber kein arabischer Herrscher wagt es,
sich angesichts dieser Fremdbestimmung an sein Volk zu wenden,
um Widerstand zu formieren.
Nur
eine Allianz zwischen den Regierenden und ihren Völkern könnte
die Amerikaner noch aufhalten. Doch die kommt allein schon wegen
fehlender demokratischer und zivil- gesellschaftlicher
Strukturen nicht zustande.
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