Leserbrief zum Leitartikel der Kleinen Zeitung vom 27.1.
Wenn Herr Sotill meint, dass man Auschwitz nicht mit der Behandlung
der Palästinenser durch Israel in Zusammenhang bringen kann, dann
darf damit nicht gesagt sein, dass jeder Hinweis auf die jüdische
Vergangenheit wegen des Qualitäts- und Quantitätsunterschiedes
verboten ist. Gerade in Anbetracht der noch immer aktuellen -
berechtigten - Schadensersatz- und Ruckgabeforderungen für
zerstörtes und geraubtes jüdisches Eigentum scheint es wie ein Hohn,
wenn zur selben Zeit
Palästinensern ähnliches angetan wird. Das Volk wird in Ghettos
eingesperrt und darf nur mit Erlaubnis des Besatzers das Land oder
sogar die Stadt verlassen. Soeben wurde bekannt, dass Palästinenser,
die nach dem Bau der "Mauer" ihre Grundstucke auf der Jerusalemer
Seite nicht mehr erreichen können, entschädigungslos enteignet
wurden. (Der Beschluss wurde seit Juli
geheim gehalten.) Die Armee hat soeben um Erlaubnis angesucht,
hunderte Wohnhäuser im Gazastreifen demolieren zu dürfen (darunter
auch solche von Osterreich errichtete), um einen breiten
Grenzkorridor zu Ägypten zu schaffen. Ohne Anklage oder Urteil
werden tausende Palästinenser in Sammellager (z.B.: Ofer bei
Ramallah) unter widrigsten Bedingungen in "administrativer Haft"
gehalten, nach Gaza deportiert und Wohnhäuser als Strafe zerstört.
Ein neues Gesetz, soll demnächst auch die Unterstutzung von so
genannten "Martyrerfamilien" unter Strafe stellen, die Familie des
Hebron-Massenmörders Baruch Goldstein lebt dagegen gut mit
sämtlichen staatlichen Beihilfen. Personen, die den Palästinensern
helfen, werden wegen Unterstutzung des "Feindes" angeklagt bzw.
ausgewiesen (gerade steht eine junge Israelin deswegen vor Gericht),
es gibt aber einen Aufschrei (natürlich auch von den USA), wenn Abu
Mazen die Israelis anlässlich einer Militäraktion mit 6 toten
Kindern und Jugendlichen "zionistischer Feind" nennt. Natürlich gibt
es keinen Plan zu Ausrottung der Palästinenser und niemand muss -
Dank der internationalen Hilfe - in den Ghettos und
Internierungslagern verhungern, aber es gibt Parteiprogramme, die
den "freiwilligen" Auszug der Palästinenser über den Jordan
beinhalten. Man sollte meinen, dass durch die vergangene Zeit neue
Maßstabe für die "Qualität" von Verbrechen gegen die Menschenrechte
gelten sollten, aber Angesichts von Guantanamo und Abu Ghraib kann
davon offensichtlich nicht mehr die Rede sein.
Martin BRETTERKLIEBER
http://members.surfeu.at/bretterklieber
27.01.2005
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