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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

Mein Schwager wurde am 4. April von israelischen Soldaten aus seinem Elternhaus in Al-Bireh/Ramallah verschleppt, weil er ein Anhänger der Tanzim ist. Erst am 11. Juli, also über 3 Monate später, wurde er in Hebron freigelassen. Zwei Tage dauerte seine Reise von dort durch zahlreiche Straßensperren nach Hause. In den ersten 3 Monaten wurde er im Lager Ofer südwestlich von Ramallah bei unglaublichen Bedingungen festgehalten. Ohne Möglichkeit zum Waschen und bei unzureichender Nahrung wurde er verprügelt und schikaniert (Bei Tag sollte er schlafen, in der Nacht wach sein.)

 

In dieser Zeit durfte er einmal offiziell zu Hause anrufen, dann konnte er einige Male über ein ins Lager geschmuggeltes Handy telefonieren, bis dieses entdeckt wurde. Für neun Tage wurde er in das Verhörzentrum Erez beim Gazastreifen gebracht. Dort wurde ihm klargelegt, dass man alles über die Familie wisse, wie sein Bruder starb, wo seine Geschwister leben (1 Schwester = meine Frau im Ausland) und dass er preisgeben soll, wo sich der

gesuchte Bruder seines Schwagers befindet, anderenfalls werde er zu 6 Monaten "verurteilt". Da er die gesuchte Person aber nicht näher kennt, konnte er auf diese Erpressung nicht eingehen. Nach den 3 Monaten "administrativer Haft", die einfach so ohne Verhandlung verhängt werden können, kam via Rotes Kreuz eine Nachricht, dass er zu 3 Monaten Haft "verurteilt" wäre und in ein Gefangenenlager in der Negev-Wüste verlegt wird. Abgesehen von den hohen Temperaturen war dort allerdings die Versorgung besser als in Ofer. Nach einer Woche wurde er von dort entlassen und nahe Hebron "ausgesetzt".

 

Tausende Palästinenser befinden sich heut noch in dieser "administrativen Haft", die immer wieder bis zum neuen Maximum von 6 Monaten verlängert wird. Danach gibt es entweder eine "Verurteilung" durch ein Militärgericht - natürlich mit den vorgeschriebenen Scheinanwälten - oder eine Freilassung an einem möglichst weit vom Haus entfernten Ort. Auf dem Weg kann man diese Personen dann wieder erneut festnehmen. Über all dies wird nicht in den österreichischen Medien berichtet.

 

Auch nicht über das Schicksal der Ausländer, die sich dagegen auflehnen und von Israel abgeschoben werden. Kein Wunder, dass Israel den Internationalen Strafgerichtshof ablehnt. Während 1 Million Menschen unter Ausgangssperren leidet, vergnügt sich Außenminister Peres im Kopenhager Vergnügungspark Tivoli und wundert sich, dass er dort mit Bierbechern beworfen wird. Der Sohn meiner Frau, die diesen jetzt über 16 Monate nicht sehen konnte, kann uns nicht besuchen kommen (obwohl alle anderen Unterlagen bereit wären), weil von der Blockade des Amtssitzes Arafats in Ramallah auch sämtliche Behörden, wie das Passamt, betroffen sind. Und unter all diesen Umständen wagen es Vertreter des israelischen Verkehrsbüros nach Graz zu kommen und vor Reisebüro- und Pressevertretern (ziemlich vergeblich) Werbung für Israel-Reisen zu machen.

 

Martin Bretterklieber

 

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