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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen
Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen
Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.
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Stellungnahme/Leserbrief von Fritz Edlinger
zum Gastkommentar (hier zum lesen) von Ulrich Sahm in der Zeitung "Die Presse" am
17.08.2005
Ulrich Sahm formuliert gleich in den ersten beiden Absätzen seines
Kommentares den der gegenwärtigen Phase des
„Nahostfriedensprozesses“ immanenten Grundwiderspruch: Im ersten
Absatz gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Palästinenser
erstmals eine Zivilgesellschaft (er meint damit wohl eine
pluralistische, demokratische Gesellschaft) aufbauen, um dann im
zweiten Absatz ganz klar zum Ausdruck zu bringen, dass der
einseitige Rückzug Israels aus dem Gazastreifen ausschließlich aus
israelischen Interessen geschieht. Hier liegt exakt der
sprichwörtliche Hase im Pfeffer: Die israelische Regierung hat sich
absolut nicht um die palästinensischen Interessen geschert, sich
selbst – im Sinne einer „Frontbegradigung“ - von den immer größer
werdenden politischen, sicherheitspolitischen und auch finanziellen
Bürden der teilweisen Besatzung des Gazastreifens befreit und die
heiße Kartoffel den Palästinensern überlassen. Dass ein derartiges
Diktat keine Grundlage für einen fairen und anhaltenden Frieden
darstellt, sollte einem eigentlich der normale Menschenverstand
sagen.
Die Chuzpe der Vorgangsweise der israelischen Regierung geht aber
noch weiter. Sie überwälzt zusätzlich einen Teil der
Absiedlungskosten der knapp 8.000 Siedler auf andere, nämlich auf
die USA, die Weltbank und damit anteilig auch auf Europa.
Ulrich Sahm kritisiert auch jene, welche die zukünftige Situation im
Gazastreifen mit einem „riesigen Gefängnis“ vergleichen. Nun über
einzelne Ausdrücke kann man streiten, dass die Bedingungen in Gaza
in Zukunft aber alles andere als günstig für den Aufbau eines
eigenständigen, demokratischen und prosperierenden (Teil)staates
sein werden, wird wohl jedem unvoreingenommenen Beobachter klar, der
da das Kleingedruckte im israelischen „Rückzugsdiktat“ liest. Israel
behält sich selbstverständlich die absolute Kontrolle – und zwar zu
Land, Luft und Meer – über den Gazastreifen vor. Es wird keine
Grenzübergänge geben, welche nicht unter israelischer Kontrolle
stehen, auch jene zu Ägypten. Ob es den Palästinensern erlaubt sein
wird, den bereits zweimal von Israel zerstörten Flughafen (und von
Europa finanzierten) wieder aufzubauen und den seit Jahren geplanten
und von Israel verhinderten Tiefseehafen zu errichten, hängt
natürlich von der Zustimmung Israels ab. In diesem Zusammenhang
fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass Israel seine Grenze zum
Gazastreifen völlig neu ausbauen und befestigen wird, und zwar
höchstwahrscheinlich sogar mit finanzieller Unterstützung seitens
der USA. In wirtschaftlicher Hinsicht wird natürlich sehr die
Absicht Israels ins Gewicht fallen, keine Arbeiter aus Gaza mehr in
Israel zu beschäftigen. Unter diesen Bedingungen stellt es daher
meiner Meinung nach einen puren Zynismus dar, gewissermaßen die
Palästinenser nun alleine für die weitere Entwicklung im
Gazastreifen verantwortlich zu machen.
Ein Prozess, welcher das Etikett „Friedensprozess“ wirklich
verdient, kann nur auf einen fairen Dialog von zwei
gleichberechtigten Partnern aufbauen. Alles andere wird im besten
Falle eine kurzfristige Scheinlösung bringen. Insoferne erkauft sich
die israelische Regierung vielleicht etwas Zeit aber sicherlich
keinen dauerhaften Frieden mit den Palästinensern. Dass sich die
israelische Führung tatsächlich nicht mit dem Gedanken eines fairen
und gleichberechtigten Prozesses anfreunden kann, beweist auch die
Erklärung von Ministerpräsident Arik Sharon, der gleich am ersten
Tag der zwangsweisen Räumung der Siedlungen in Gaza ankündigte, dass
nach der Evakuierung des Gazastreifens, die (illegale und
völkerrechtswidrige) Siedlungstätigkeit in der palästinensischen
Westbank verstärkt fortgesetzt werden wird.
Abschließend noch eine persönliche Feststellung zu einer der
Behauptungen von Herrn Sahm. Er schreibt da, dass sich Israel im
Zuge der Osloer Verträge aus „biblischen Gefilden“ wie Betlehem,
Jericho, Hebron und Ramallah zurückgezogen habe und die Politik
Sharons nun auf eine vollkommene Abkoppelung hinauslaufe. Ich konnte
mich vor wenigen Wochen selbst in Betlehem und Hebron davon
überzeugen, wie diese Abtretungen aussehen: Betlehem ist von einer
im Durchschnitt neun Meter hohen Mauer umgeben, welche mittel- und
langfristig die Stadt wirtschaftlich ruinieren wird, in Hebron, wo
einige hundert radikale israelische Siedler inmitten von mehr als
100.000 Palästinensern in schwer befestigten und bewachten Festungen
leben, hat die israelische Armee vor wenigen Wochen die gesamte
historische Altstadt mit schweren Eisentoren versiegelt und damit
den Zugang so gut wie unmöglich gemacht. Diese wenigen Beispiele
zeigen leider nur allzu deutlich auf, dass es der gegenwärtigen
israelischen Regierung nicht um einen Kompromiss mit den
Palästinensern geht sondern schlicht und einfach um die fortgesetzte
Schaffung von unmenschlichen Lebensverhältnissen. Wenn man die
angestammte palästinensische Bevölkerung schon nicht gewaltsam
vertreiben kann, so möchte man Bedingungen schaffen, welche auf die
Dauer zu einer allmählichen Absiedlung führen. Diese israelische
Regierung, vor allem aber die Siedlerbewegung und mit ihr große
Teile der größeren Regierungspartei, fühlen sich nach wie vor dem
politischen Vermächtnis der frühen Zionisten verpflichtet, nämlich
ein Eretz-Israel zu schaffen, welches zumindest vom Mittelmeer bis
zum Jordan reichen soll. Dass hier kein Platz mehr für einen eigenen
palästinensischen Staat verbleibt, sollte man sich von Zeit zu Zeit
in Erinnerung rufen.
Fritz Edlinger
Generalsekretär/Secretary General
Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen/
Society for Austro-Arab Relations
Stutterheimstr. 16-18/2/5
A-1150 Wien
Tel.: +43/1/5267810, Fax: 5267795
Internet: http://www.saar.at
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