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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

Antwort von Fritz Edlinger zum Leserbrief von Karl Jakoby

 

Sehr geehrter Herr Jakoby!

Ich bedanke mich für Ihre Stellungnahme und freue mich auch, dass die Palästinensische Gemeinde diesen auf ihrer Webseite veröffentlicht hat. Innerhalb gewisser Rahmenbedingungen halte ich Debatten und Auseinandersetzungen für wichtig. Sie haben Recht, dass bereits Vieles Gesagt und Geschrieben worden ist, und man dem kaum Neues hinzufügen kann.

Dennoch möchte ich gerne auf einige Ihrer Argumente eingehen:

Die Frage der Stärke: Es steht wohl außer Zweifel, dass Israel in jeglicher Hinsicht um das x-Fache stärker ist als die Palästinensische Autonomie oder – wenn Sie so wollen – das gesamte palästinensische Volk. Wie die vielen einseitigen von Israel gesetzten Maßnahmen ja beweisen, können weder die Palästinenser noch die anderen arabischen Nachbarstaaten dem etwas wirksam entgegenstellen. Dass sich bestimmte Teile des palästinensischen Volkes mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mittel dennoch gegen vermeintliche ungerechte und willkürliche Maßnahmen zur Wehr setzt, ist eine Tatsache, die Sie ja selbst auch erwähnen. Dennoch kann man daraus nicht schließen, dass gewissermaßen ein Gleichgewicht der Stärke gegeben ist. Auch auf die Gefahr hin, wieder einmal missverstanden zu werden, möchte ich unmissverständlich betonen, dass ich jede Art des einseitigen Diktats ablehne. Dies gilt natürlich ganz besonders auf Maßnahmen, welche mit Gewalt durchgesetzt werden. Ich lehne jede Art der Gewalt auf das Schärfste ab, jene der israelischen Terroristen genauso wie jene der palästinensischen.

In diesem Zusammenhang ist es doch interessant festzustellen, dass in einem gewissen Ausmaß die Radikalen der beiden Seiten einander hinsichtlich ihrer (religiös-rassistischen) Denkweise ziemlich ähnlich sind. Und sie liefern einander ja immer wieder die Vorwände, gegeneinander zu Felde zu ziehen und damit die überwiegende Mehrheit ihrer Völker in eine verbrecherische Art der Geiselhaft zu nehmen.

Ich weiß nicht, woher Sie die Einschätzung nehmen, dass „die Palästinenser“ die Israelis am liebsten vertreiben würden. Abgesehen davon, dass sich die politische Führung des palästinensischen Volkes seit nahezu 20 Jahren explizit für eine Zweistaatenlösung ausspricht und damit völlig eindeutig auch die Existenz des Staates Israel anerkennt, ergeben repräsentative Umfragen in Palästina seit Jahren immer eine klare Mehrheit für eine politische Kompromisslösung mit Israel. Sollten Sie diese Umfrageergebnisse nicht kennen, so stelle ich Ihnen diese gerne zur Verfügung. Ich muss Ihnen daher leider auf das Schärfste widersprechen, wenn Sie meinen, dass der palästinensische Ansatz „im Kern destruktiv“ sei.

Sie haben Recht, dass die wesentlichsten Barrieren sich in den Köpfen der Menschen befinden. Für den gegenständlichen Konflikt würde es aber einen riesigen Schritt vorwärts bedeuten, zur Kenntnis zu nehmen, dass es leider derartige Barrieren nicht nur in den Köpfen der Jihadisten sondern zumindest im gleichen Ausmaß auch in den Köpfen der rechtsradikalen Siedler und ihrer geistig-religiösen Vordenker gibt. Solange man nicht mit gleichem Maß misst und Verbrechen, wer immer sie begeht, also solche verurteilt und bekämpft, wird es keine wirkliche Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt geben.

Mir freundlichen Grüßen,


Fritz Edlinger

P.S.: Auf eine Kommentierung der aktuellen Ereignisse innerhalb der Likud-Partei und der Ankündigungen von Benjamin Netanjahu, der schon einmal den gesamten Friedensprozess zum Stillstand gebracht hat, habe ich bewusst verzichtet. Aber die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen innerhalb der israelischen Gesellschaft machen mir langfristig sogar mehr Sorgen als jene in der palästinensischen. Netanjahu und seine Gesinnungsfreunde sind nämlich im Kern destruktiv und nichts anderes.

Fritz Edlinger
Generalsekretär/Secretary General
Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen/
Society for Austro-Arab Relations
Stutterheimstr. 16-18/2/5
A-1150 Wien
Tel.: +43/1/5267810, Fax: 5267795
Internet: http://www.saar.at


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