Leserbrief von Karl Jakoby zu der Antwort
von Fritz Edlinger zu der Stellungnahme von Ulrich Sahm
Sehr geehrter Herr Fritz Edlinger!
„Kurzum: Israel ist die eindeutig stärkere Konfliktpartei in
dieser blutigen Auseinandersetzung und hat als einziger der
Kontrahenten die Macht, seinen Willen durch einseitige Maßnahmen
durchzusetzen, nicht zuletzt auch wegen der mehr oder minder
uneingeschränkten politischen Unterstützung seitens der USA.
Derartige einseitige Maßnahmen stellen aber keinesfalls einen
Schritt in Richtung Frieden dar sondern ein Diktat, wenn man so
will, kann man es auch eine Erpressung nennen.“ (Antwort von Fritz
Edlinger zu der Stellungnahme von Ulrich Sahm)
Der eine überschätzt die israelische Macht, der andere versteht
offenbar die palästinensischen Ziele falsch. Eins ist jedenfalls
allen klar und Israel sicher schon lange bewusst: Dass es trotz
seiner angeblichen Stärke den Palästinensern nicht seinen Willen
aufzwingen kann.
Was Israel nach intensiven Bemühungen als weitsichtige
Lösungsvorschläge für den bestehenden Konflikt betrachtete, kam in
der arabischen Welt leider als Schwäche und Verfall der Moral an.
Doch auch die Palästinenser kämpfen mit einem Gefühl der Ohnmacht:
Sie würden die Israelis am liebsten ganz vertreiben - lieber heute
als morgen – sind aber nicht dazu in der Lage. Alle anderen Lösungen
werden weitgehend als inakzeptabel gesehen, auch wenn vage
Zustimmung geäußert wird.
Würden die Palästinenser eine vergleichbare relative Zurückhaltung
aufbringen, wenn sie über Israels Stärke verfügten? Nicht nur die
Hamas beschwört andauernd ihre eigene Stärke. Warum kann
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dem palästinensischen Volk nicht
vermitteln: „Wir sind stark im zivilen Aufbau des Staates Palästina,
und nur mit dieser Stärke können wir den Frieden bekommen“?
Ich fürchte, dies gelingt nicht, weil der palästinensische Ansatz im
Kern destruktiv ist - und nicht konstruktiv.
Da ich Ihre wertvolle Zeit nicht unnötig beanspruchen will, will ich
nicht Altbekanntes aufs Neue erörtern. Über Ihre Beiträge könnte ich
ganze Romane schreiben…
Eins ist doch wohl sicher: Barrieren gibt es vor allem in den Köpfen
der Menschen, und der Abbau dieser würde auch den Abbau der
materiellen Zäune und Mauern erheblich vorantreiben.
Ich würde mich freuen, wenn ich bei der Palästinensischen Gemeinde
Wien so viel Meinungsfreiheit vorfinde, dass ein solcher Leserbrief
veröffentlicht wird!
Mit besten Grüßen,
Ihr Karl Jakoby, Wasserbillig
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