Paradise Now
Wir reden immer noch über den Kinofilm Paradise Now von Hany Abu-Assad.
Bevor man für die eine oder andere Seite eintritt und Verständnis hat, muss man erst einmal verstehen. Ich für meinen Teil befinde mich noch im Lernprozess.
Ist es nicht so, dass immer wenn sich Menschen für Höhere Ziele einsetzen, die Persönlichkeit zusammen mit der Kleidung an der Garderobe abgegeben und mit einer Uniform getauscht wird.
Als der erste Mann meiner Mutter im Zweiten Weltkrieg gefallen war, bekam sie einen Brief vom Oberbefehlshaber der Wehrmacht, in dem stand „sehr geehrte Frau, ihr Ehemann ist den Heldentod gestorben, für Führer, Volk und Vaterland“. Ich weiß nicht, was in den Briefen steht, die den amerikanischen Witwen zurzeit zugestellt werden, deren Männer im Irak gefallen sind. Oder was in den Briefen der israelischen Armee steht. Doch ich denke, die tröstenden Worte sind ähnlich.
Es ist auch so, dass westliche Militärs ebenso Selbstmordkommandos durchführen. Vor solchen Einsätzen werden die Soldaten aufgefordert, einen Abschiedsbrief zu schreiben und vielleicht hat sich heute nur das Medium geändert und man schreibt eine SMS, die erst im Todesfall gesendet wird.
Auch in der äußerlichen Erscheinung der westlichen und arabischen Kämpfer sehe ich keinen gravierenden Unterschied. Das Werbebild vom netten, glatt rasierten Soldaten mit Sonnyboyblick stimmt so nicht. Die westlichen Spezialkräfte und Einsatzkommandos mit der Lizenz zum Töten tragen zur Unkenntlichkeit ihrer Person Sturmmasken und verhüllen ihr Gesicht genauso wie es auch arabische Einsatzkräfte tun, nur diese machen es mit einem Kopftuch. Ich kann jedenfalls keinen großen Unterschied im Verhalten der Menschen bei einer kriegerischen Auseinandersetzung erkennen.
Oder sind es gar nicht die Menschen, die verwerflich und unmoralisch handeln, sondern die Ziele, für die sie sich einsetzen und ihr Leben geben? Sind diese Ziele falsch und unmoralisch? Aber wenn diese Ziele falsch sind, warum werden sie immer wieder proklamiert und warum brennt es an allen Ecken der Welt und das schon seit über 4000 Jahren? Vielleicht kann man sich nicht auf ein gemeinsames Ziel einigen. Oder ist es so, dass immer wieder neue Ziele in die Welt gesetzt werden, so wie jede Generation Kinder zeugt?
Wo ist da das Gute und wer ist der Böse, wo doch alle dasselbe tun und die Soldaten und auch die Toten so gleich aussehen? Und die Worte, die die Ziele beschreiben, auch so gleich klingen. Alle reden bei kriegerischen Auseinandersetzungen vom Kampf für Frieden und Freiheit und keiner der Redner spricht von wirtschaftlichen Interessen oder einem Geschäft.
Ich finde keine schlüssige Antwort auf diese Fragen. Vielleicht haben Sie ja eine Erklärung parat.
Edward Naujok
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