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Gespielte Empörung von Sulaiman Shahin
Die Empörung war groß, als vor wenigen Tagen, die israelische Armee auf eine palästinensische Familie am Strand des nördlichen Gazastreifens schoss, und dabei alle Familienmitglieder bis auf ein kleines Mädchen ums Leben kamen. Mir persönlich gingen der Gesichtsausdruck und die Schreie des kleinen Mädchens an dem Tag sehr nah, genau so muss es vielen Menschen gegangen sein, als sie diese Bilder in den Nachrichten sahen. So fühlten sich auch direkt mehrere Staaten dazu „genötigt“ diesen Raketenangriff zu verurteilen, oder gar als terroristischen Akt zu bezeichnen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und der palästinensische Premierminister Ismael Haniye entschieden sich sogar spontan dazu dieses Kind zu adoptieren. Des Weiteren sah sich die Hamas-Partei gezwungen ihren bis dahin eingehaltenen einseitigen Waffenstillstand mit Israel aufzukündigen, wofür auch die Ermordung des palästinensischen Sicherheitschefs (Angestellter der Hamas-Regierung) einen Tag vor dem „Gaza-Strand-Massaker“ ein Grund gewesen sein könnte. Man hatte es also geschafft, die Hamas, die als einzige palästinensische Partei einen einseitigen Waffenstillstand seit über eineinhalb Jahren einhielt, vorübergehend wieder zurück zur Gewalt zu bringen. Angesichts der Feindseligkeiten die in den letzten Monaten gegenüber den Palästinensern intensiviert worden sind, ist dies nicht verwunderlich, sondern eine logische Konsequenz, und vielleicht hat die Welt hier die große Chance vertan, mit der zur zeit wohl stärksten Fraktion der Palästinenser direkt zu verhandeln und zu schnellen Lösungen im Konflikt zu kommen.
Aber was mich noch viel mehr stört ist die gespielte Empörungen der Welt über diesen Angriff auf diese Familie. Es ist von vornherein klar dass es sich hierbei nur um reine Lippenbekenntnisse handelt, ansonsten würde Israel nicht einen Tag nach dem Massaker ihre „Politik der gezielten Tötungen“ weiterführen. Voller Sarkasmus und Unverfrorenheit war auch der Kommentar der israelischen Armee zum „Vorfall“, die sich anstatt zu entschuldigen und darüber nachzudenken, ob dieser Weg vielleicht doch falsch sein könnte, die Standardantworten gaben ( „Wir werden den Vorfall untersuchen“), wohl wissend, dass sie nichts zu befürchten haben. Auch die Entschuldigung der Israelis, es hätten Terroristen sein können, wird allgemein akzeptiert, obwohl dies sich gegen jedes Grundgesetz der Welt richtet. Egal was einem vorgeworfen wird, man hat das Recht sich vor einem ordentlichen Gericht zu verteidigen, demnach ist die gezielte Tötung von „Terroristen“ selbst ein terroristischer Akt des Staates Israel. Zumal das Wort Terrorismus noch nicht mal richtig definiert worden ist. Die UN gewährt jedem unterdrücktem Volk sich auch mit Gewalt zu befreien, demnach kann man genauso gut die palästinensischen Kämpfer als Freiheitskämpfer ansehen. Es sind selbst Zivilisten die eine Waffe tragen, wenn sie nach Israels Definition alle Terroristen sind, dann müssten sie über die Hälfte des palästinensischen Volkes töten! Wenn man sich dies klar macht, sieht man, dass diese Politik der gezielten Tötung Kriegsverbrechen sind, die von der Weltbevölkerung mittlerweile akzeptiert worden sind, denn es gibt für mich keinen Grund die Menschenrechte palästinensischer Aktivisten geringer zu schätzen als das anderer Zivilsten. Das bei diesen Aktionen auch Kinder und Frauen ums Leben kommen ist keine Seltenheit, sondern die Regel! Leider Gottes wird jedoch nur sehr selten eine solche Tragödie wie beim „Strand-Massaker“ von den Medien aufgenommen und untersucht, denn nur dann hört man hier und da kritische Töne einiger weniger Staaten.
Am heutigen Tag den 13.06.06 starben bei israelischen Luftangriffen elf Menschen im Gazastreifen, darunter auch Kinder. Die Israelis machen demnach also mit ihrer Politik weiter als wäre vor wenigen Tagen nichts passiert. Hilflos ruft der palästinensische Präsident die Welt nach Hilfe und bekommt abermals die unverfrorene Antwort aus den USA, dass Israel das Recht habe sich zu verteidigen. Haben wir denn nicht wenigstens auch das Recht zu leben?? Wieso geht die Sicherheit Israels über alle Rechte der Palästinenser, insbesondere das Recht auf Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung etc.
Egal wen wir gewählt oder wie viele Anschläge wir verübt haben, unsere Volks- und Menschenrechte sind unanfechtbar!!
Leserbrief von Sulaiman Shahin
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