Olympia 1972: „Jedenfalls lebe ich noch“ Interview mit Abu Daud
Der Organisator des Münchner Attentats, Abu Daud, ist selbst bei einem Anschlag verletzt und in der DDR gepflegt worden.
Von FOCUS-Redakteur Thomas Scheuer
Der Mann ist immer noch eine stattliche Erscheinung, wenn er mit seinen fast zwei Meter Körpergröße im schlichten Straßenanzug in Damaskus unterwegs ist. Aber der Gang des 68-Jährigen ist doch etwas schleppend geworden, und das Gespräch in der Halle eines Hotels – beim Kaffee mit extra viel Zucker – wird mehrfach von heftigem Husten unterbrochen.

Abu Daud
Die Havanna dreht er aus alter Gewohnheit zwischen den Fingern, zündet sie aber nicht an. Der Arzt hat ihm kürzlich das Rauchen verboten. Eigentlich müsste Mohammed Daud Odeh, der den Kampfnamen Abu Daud trägt, längst tot sein.
Spielberg verdreht historische Wahrheit
Denn die Legende will, dass israelische Agenten nach dem Attentat auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München die Verantwortlichen des palästinensischen Terrorkommandos weltweit jagten und töteten.
Die Legende, von der auch Spielbergs neuer Film „München“ ausgeht, verdreht die historische Wahrheit: Heute weiß man, dass die Israelis nach München etliche Palästinenser ermordeten, die mit dem Olympia-Überfall gar nichts zu tun hatten. Dagegen starben die meisten Verantwortlichen für München von anderer Hand – oder sie leben noch.
„Ich brachte die Waffen“
Abu Daud ist verantwortlich für das Verbrechen von 1972: „Ich brachte die Waffen nach München“, gestand er 1999 in einem FOCUS-Interview. Ob der Mossad ernsthaft versuchte, ihn zu töten, wisse er nicht. „Jedenfalls lebe ich noch.“
Ali Hassan Salameh lebt nicht mehr. Am 22. Januar 1979 zerfetzte ihn in Beirut eine Autobombe. Mit ihm starben mehrere unbeteiligte Passanten. Einer der Ersten am Tatort – sein Sohn war ihm vorausgerannt – war Abu Daud.
Zögling von Arafat
„Er war einer meiner besten Freunde in Kuwait. Später absolvierten wir eine Ausbildung in Kairo und gründeten danach in Jordanien den palästinensischen Geheimdienst RASD.“ Salameh war ein persönlicher Zögling von Jassir Arafat und baute dessen Leibgarde auf, die Force 17. Die 17 stand für Salamehs internen Telefonanschluss.
Mit dem Münchner Olympia-Attentat, behauptet Abu Daud, „hatte Salameh nichts zu tun“. Auf der Todesliste der Israelis stand Salameh höchstwahrscheinlich aus einem anderen Grund: Der CIA-Agent Robert Ames in der US-Botschaft in Beirut hatte über den Arafat-Vertrauten einen geheimen Draht zur PLO-Führung aufgebaut.
(Quelle: Focus)
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