Rap statt Intifada - Hip Hopper als neue palästinensische Helden
Sie heißen Mahmoud, Wassim und Richie. Und unter dem Kürzel MWR sind die drei die Stars der arabischen Jugendlichen von Israel. Mit ihrem Song "Weil du ein Araber bist" haben sie den Nerv der Zeit getroffen. Sie brüllen heraus, was alle erfahren haben: Sie sind die Geprügelten, die Verachteten, die Unterlegenen. Ihre musikalischer Weckruf: "Ihr schlaft, Araber, ihr habt genug geschwiegen! Kommt, steht auf und fordert eure Rechte ein. Steht auf! Wacht auf! Öffnet die Augen und schaut, was passiert."

Musik als Kritik
MWR sagen, was sie denken. Den Musikteppich für den Sprechgesang der drei Rapper liefert ihr Freund Charly. In seinem Zimmer stehen Synthesizer, Mischpult und Computer - DJ Charlys privates Tonstudio auf winzigen sechs Quadratmetern. Seit drei Jahren üben die vier jungen Palästinenser zusammen. Nicht nur aus Freude an der Musik. Sondern auch aus Ärger über die israelische Regierung. "Wir mögen die Rhythmen beim Rap", sagt Mahmoud. "Und dann natürlich die Möglichkeit zu kritisieren. Mit dieser Musik kannst du angreifen, du kannst über deine Probleme sprechen, du kannst dich wirklich ausdrücken." Und Wassim meint: "Die Araber in Israel leben so wie die Schwarzen in den USA. Man spürt den Rassismus. Aber in Amerika richtet sich der Rassismus gegen die Hautfarbe. Hier zählt, ob du Jude oder Araber bist." Das weiß auch Richie: "Wir haben jüdische Freunde auf der Straße oder bei der Arbeit. Wir haben nichts gegen Juden, aber wir haben was gegen die israelische Regierung."
Die vier Musiker kommen aus Akko, einer Kleinstadt im Norden Israels. Der Ort ist idyllisch und ziemlich verschlafen. Das einzig Besondere ist die Tatsache, dass ein Drittel der Bevölkerung Araber sind. Wenn die Rapper heute durch die Altstadt schlendern, ist das ein Heimspiel: Jeder kennt sie, alle winken ihnen zu. Hier ist das Quartett aufgewachsen. In schlechten und überfüllten Schulen und ohne Spielplätze zwischen den Marktständen. Und doch: Hier fühlen sich die Musiker zu Hause, hier sind sie die Helden.

Große Fangemeinde
Ihre Fans sind begeistert: "Ich mag sie, weil sie über unsere Lage singen." "Sie drücken unsere Gefühle aus." "Sie klagen den Staat an, der sich nicht um die Araber kümmert." Doch nicht nur Teenager - auch Ältere können sich für die Musik der jungen Rapper begeistern. So sagt sich ein Sportlehrer: "Sie haben Recht, die Situation für die Jugendlichen ist schlecht, sie haben keinen Platz zum Spielen." Auch für viele erwachsene palästinensische Israeli gibt es keinen Platz in der Gesellschaft. "Fast alle hier sind arbeitslos, ich auch", sagt Yusef Khatib. "Ich lebe von der Arbeitslosenkasse, einen Job kriege ich nicht."
"Egal wo du lang gehst, immer fragen sie dich nach deinem Ausweis. Warum behandeln sie dich nicht wie die anderen, warum behandeln sie dich nicht wie einen Menschen?" Mit solchen Anklagen treffen die Rapper die Stimmung ihrer arabischen Altersgenossen. MWR sind mehr als eine Teenager-Band. Sie kritisieren die israelische Gesellschaft mit modernen Mitteln und ihre Fangemeinde wächst rasch. Ihre Musik - eine friedliche Alternative zum gewaltsamen Widerstand.
MWR
Webseite mit Musik Download:
http://www.mwr-rap.com
(Quelle
3sat)
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