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Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

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ANALYSEN/FEATURES


Zum Tag des Bodens 2005 – mit der Volksbewegung gegen die Apartheidmauer als „Normalzustand“

 

Analyse, The Palestinian Grassroots Anti-Apartheid Wall Campaign, 6.April 2005
 

Es scheint mittlerweile zum guten Ton zu gehören, die palästinensische „Situation“ mit Formulierungen wie „sehr sensibel und komplex“ zu beschreiben. Wir kennen dieses Phänomen innerhalb der palästinensischen Geschichte nur allzu gut. Es wird suggeriert, der Widerstand gegen die Besatzung müsse unbedingt zurückgeschraubt werden, denn man stünde kurz vor einem gewaltigen Verhandlungsdurchbruch. Das war schon immer eine der üblichen Vorgehensweisen, um den palästinensischen Widerstand vom Weg abzubringen und zu schwächen. Auch in der aktuellen Phase des palästinensischen Widerstandes wurde dieses Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Während der augenblicklichen "sensiblen" Phase der „vorsichtigen Schritte“ sind wir ZeugInnen des beschleunigten Baus der Apartheidmauer, weiterer Annexion palästinensischen Landes und der Gettoisierung der Städte und Dörfer. Daher hat die Frage nach dem Charakter unseres Widerstandes mehr Relevanz denn je.


Die politische Forderung nach einem "Waffenstillstand" war das Ergebnis der Sharm el-Sheikh - Konferenz und der anschließenden Verpflichtungserklärungen der Besatzungsmacht und der palästinensischen Autonomiebehörde. In einer Wirklichkeit, die von israelischer Aggression, Expansion und Gewalttätigkeit gekennzeichnet ist, verkommt jedoch jeder "Waffenstillstand“ während fortgesetzter Besatzung zur Farce. Militärische Invasionen in palästinensische Städte und Dörfer werden unvermindert fortgesetzt. Ermordungen, Verhaftungen und Prügel bestimmen nach wie vor das tägliche Bild dieser brutalen Besatzung. Das koloniale Expansionsprojekt der Apartheidmauer wird ungeheuer beschleunigt. Nachdem die Mauer in den nördlichen Bezirken Qalqiliya und Tulkarm bereits fertiggebaut ist, liegt der Schwerpunkt der Arbeiten jetzt im Süden, wo Jerusalem, Bethlehem und Hebron eingeschlossen werden.


Die Judaisierung von Jerusalem durch seine Isolierung vom Rest des Westjordanlandes und die Ausdehnung aller Siedlungsblöcke, die es ringförmig [nach Osten, Süden und Norden] abschließen (Ma’ale Adumim und Gush Etzion), sind integraler Bestandteil der zionistischen Politik, die darauf abzielt, die PalästinenserInnen aus der Stadt zu vertreiben [und so die schon erfolgte illegale Annexion der Stadt einzuzementieren, d.Ü.].


Apartheidmauer und Annexion der Siedlungskolonien des Westjordanlandes an eine Art von Groß-Israel sind Ausdruck davon, dass die Zionisten den PalästinenserInnen unilateral [also ohne jedwede ernstgemeinte Verhandlungen, d.Ü.] ihre endgültige Lösung aufzwingen wollen. Eines der Herzstücke des Projekts ist der Erhalt der drei großen Siedlungscluster Ma’ale Adumim [östlich von Ostjerusalem – Verbindungskorridor der Besatzungsmacht ins Jordantal], Gush Etzion [Einkesselung Bethlehems und des Südens Jerusalems], und Ariel [im Herzen der nördlichen Westbank] und das Einmauern palästinensischer Städte und Dörfer. Gesteuert und kontrolliert durch Tore und Sperren lassen diese Ghettos erahnen, wie der sogenannten "lebensfähige palästinensische Staat" real aussehen soll!


Wie wir wissen, genießt dieses Szenario volle Unterstützung von amerikanischer und britischer Seite. Was aber am meisten verstört, sind jüngste Signale der palästinensischen Autonomiebehörde. Aus kürzlich veröffentlichten Erklärungen des palästinensischen Außenministers Nasser al-Qidwa lässt sich Akzeptanz für das Konzept des Tausches von palästinensischem Land für "Frieden" in einer endgültigen Lösung herauslesen. Diese Formel tauchte erstmals bei den Verhandlungen von Camp David im Jahre 2000 auf. Die Besetzung Palästinas wird auf diese Weise durch das Beibehalten der drei großen Siedlungscluster auf Dauer festgeschrieben. Es ging dabei nie darum "Land gegen Land" zu tauschen. In Wahrheit sollen die PalästinenserInnen grundsätzlich akzeptieren, dass die Siedlungen nicht verschwinden und dass ihr Apartheidstraßennetz fixer Bestandteil der Demographie des Westjordanlandes werden wird. Jetzt sollen wir auch noch still zusehen, wie die Apartheidmauer palästinensisches Territorium zerstückelt und aus unseren Städten und Dörfern voneinander isolierte und abgetrennte Gefängniszellen macht! Es passt zu den Konzessionen, die im Genfer Abkommen gemacht und von einer palästinensischen Elite unterschrieben wurden, die von sich selbst behauptete, das palästinensische Volk zu repräsentieren. Ihr Kompromiss enthielt auch den Verzicht auf unser Recht auf das palästinensische Land und das Rückkehrrecht [der Flüchtlinge aus der Diaspora, d.Ü.].


Es ist offensichtlich, dass die UNO keine echten Alternativen zum Besatzungsregime anzubieten hat. Sie unterwirft sich zunehmend den amerikanisch-israelischen Zukunftsplänen für die "Palästinafrage". Dass Annan, bei seinem letzten Besuch [in Palästina] die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs, die den Abriss der Mauer verlangt, bewusst mit keinem Wort erwähnte, ist ein klarer Beweis für die Komplizenschaft mit den Interessen der Mächtigen. Die UNO zieht es vor, die Apartheidmauer auf eine Frage von humanitärer Hilfe zu reduzieren. Sie plant die Eröffnung eines Registrierungsbüros für die Regelung von Schadenersatzansprüchen derer, die von der Apartheidmauer beeinträchtigt sind. Stellt sich heraus, dass es außerhalb des vom Internationalen Gerichtshof vorgegebenen Mandats agieren sollte, das Kompensation zusätzlich zur Zerstörung der Mauer vorsieht, dann kann seine wahre Funktion nur sein, die Mauer als Normalzustand im Westjordanland zu etablieren. Annans Teilnahme an der Londoner Konferenz, bei der über Tore und industrial passages in der Apartheidmauer diskutiert wurde, um auf diese Weise die Mauer als dauerhaften Faktor im Westjordanland einzuzementieren, steht im Widerspruch zu den Grundsätzen internationalen und humanitären Rechts.
Der Tag des Bodens – dem Widerstands des Volkes noch mehr Gewicht verleihen

Der Tag des Bodens war wegen seiner politischen Forderungen, Widerstandsaktionen und der hohen Beteiligung eine wichtige Gegenstimme zu den alarmierenden Entwicklungen, die wir bisher umrissen haben.


Das Hauptmotto während der Aktivitäten der letzten Woche wurde vom Nationalkomitee für den Widerstand gegen die Apartheidmauer geprägt:


"Mit Volkswiderstand stellen wir uns der Siedlungspolitik entgegen und erzwingen die Durchsetzung der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes ICJ und damit den Abriss der Mauer."

Palästinensische ExpertInnen und AktivistInnen stimmen darin überein, dass sich der Basiswiderstand der palästinensischen Intifada in den letzten Jahren zurückgezogen hat, besonders seitdem die Besatzungsmacht im April 2002 die Kontrolle der großen Städte des Westjordanlandes wieder an sich gerissen hat. Der Charakter der Intifada war zunehmend militärisch geprägt und die breite Mobilisierung an der Basis gedämpft.


Der Widerstandsbewegung gegen die Apartheidmauer, die von den lokalen Volkskomitees angeführt wird, reaktivierte die Teilnahme der Massen am Widerstand und prägte die politische Linie gegen die Mauer entscheidend mit. Das hat dem Widerstand gegen die Mauer viel Kraft verliehen. Heute besteht Einigkeit in der Einschätzung, dass die Mauer als ein integraler Bestandteil eines Apartheidsystems begriffen werden muss, welches dem palästinensischen Volk von oben aufgezwungen wird. Deshalb war die vollständige Zerstörung der Apartheidmauer immer die Hauptforderung der Kampagne und nicht deren "Modifikation" oder "Umleitung", wie sie von den Briten und Amerikanern unterstützt werden. An dieser Stelle hat sich die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes als wichtiger Moment internationaler Solidarität mit dem palästinensischen Widerstand erwiesen. Die Verurteilung der Mauer wurde in erster Linie durch die palästinensische Mobilisierung erreicht. Auch in Zukunft wird die Durchsetzung dieser Entscheidung eine der Hauptforderung unseres Volkswiderstandes sein. Wir haben konsequent die neuerdings von der UNO eingenommene Position angeprangert, die Umsetzung der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes hintan zu halten, und wir werden uns weiterhin den Versuchen widersetzen, die Apartheidmauer als ein Problem zu behandeln, das mit humanitärer Hilfe gelöst werden könne. Das stellt nichts anderes als einen Versuch dar, das abscheuliche Apartheidprojekt im Kontext des Westjordanlandes zu normalisieren und zu institutionalisieren.

Tag des Boden - Tag der Einigkeit des Volkes
Der Tag des Bodens ist seit jeher entscheidender Ausdruck der Einigkeit des palästinensischen Widerstandes. Die tiefe Verbundenheit mit dem Land als Quelle des Lebens und der eigenen Existenz ist im palästinensischen Bewusstsein tief verwurzelt und schafft das Fundament unseres Kampfes für Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Die rassistische Politik der Judaisierung des Landes und der Vertreibung von so vielen PalästinenserInnen wie möglich, ist das Grundkonzept, nach dem die Besatzung funktioniert. Den PalästinenserInnen in den 1948 eroberten Gebieten Palästinas werden in einem auf Diskriminierung beruhenden System Genehmigungen und Rechtsansprüche regelmäßig vorenthalten. Die Lebensgrundlage der PalästinenserInnen im Westjordanland und in Gaza wird durch die Apartheidmauer und die Siedlungsexpansion angegriffen. Das Ergebnis ist das gleiche: die Zerstörung des palästinensischen Volkes und seines Landes - Palästina.

Die Einigkeit in der Zusammenarbeit zwischen dem National Committee To Resist The Apartheid Wall und dem Committee for Arab Affairs aus den 1948 besetzten Gebieten Palästinas sind sichtbarer Ausdruck der Solidarität, die für die palästinensischen Sache besteht. Sie ist Ausdruck der Einheit des palästinensischen Volkes im Kampf gegen das zionistische Projekt, seiner Verteidigung palästinensischen Lebens, Landes und historischen Erbes.
Angesichts dieser Entwicklungen wäre es absurd auf eine Wiederaufnahme der "Palästina-Frage" im Rahmen der UNO zu hoffen, als eine echte Alternative zu amerikanischer unilateraler Beherrschung des Mittleren Ostens.


Diesen Artikel finden Sie unter http://stopthewall.org/analysisandfeatures/print893.shtml auf der Homepage der Anti-Apartheid Wall Campaign www.StopTheWall.org. Wir begrüßen das Ausdrucken und die Verbreitung der Informationen unserer Homepage.
 

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