Verschleierte
Realität ?
Stellungnahme
von Sedunia anlässlich der in Europa geführten Diskussion um
Al Hijab (Bedeckung, "Kopftuch")
Einleitung
Die
Diskussion um Al Hijab (Die Bedeckung ihres Körpers durch die
islamische Frau) in der europäischen Öffentlichkeit zeigt
wichtige Aspekte über die Beziehung zwischen der europäisch-westlichen
und der Islamischen Welt auf. In verschiedenen europäischen
Staaten ist es Muslimas, die Kopftuch tragen, verboten, Berufe
in öffentlichen Ämtern auszuüben, wie z.B das Lehramt an öffentlichen
Schulen. Muslimische Frauen sind bei Behördengängen und
Arbeitssuche oft diskriminiert, oder durch beleidigende Blicke
oder Belästigungen dem Versuch der Herabsetzung ausgesetzt. In
Deutschland wird im Herbst das Verfassungsgericht eine
Entscheidung bezüglich der Muslima Fereshta Ludin treffen, die
an einer öffentlichen Schule unterrichten möchte, und der das
bisher aufgrund des für sie selbstverständlichen Tragens eines
Kopftuches untersagt ist. Eine Argumentation, die vom
Kultusministerium gegen die Anstellung von Frau Ludin angeführt
wurde, und die auch vom Verfassungsgericht als wesentliches
Argument berücksichtigt wird, ist die des Verstoßes gegen das
Neutralitätsprinzip. Durch das Tragen des Kopftuches verstößt
eine Lehrerin gegen die Verpflichtung zur religiösen und
weltanschaulichen Neutralität.
In der Vehemenz der Diskussion und in einem offensichtlichen Gefühl
wirklicher Bedrohung werden aber vor allem andere bekannte
kulturrassistische und islamfeindliche Argumente eingesetzt:
Durch Al Hijab versuchen "islamische Fundamentalisten"
die Scharia in Europa einzuführen und die westliche Kultur, die
Universalität der Menschenrechte, muss dagegen verteidigt
werden. Immer wieder wird die Unterdrückung der Frau als
Argument angeführt, von den offen rassistischen Gesprächen auf
der Strasse und in der U-Bahn bis hin zu den intellektuellen
Verteidigern und Verteidigerinnen der "westlichen
Leitkultur", wie Alice Schwarzer oder Oriella Fallaci.
Diese Angst um die westlichen Werte - Menschenrechte,
Demokratieverständnis, Kultur, - und die vorgegebene
Verteidigung der islamischen Frau, und damit das verzweifelte
Festhalten an der eigenen moralischen Überlegenheit, sind
Erscheinungen, die von der grundsätzlichen Haltung und Position
der europäischen und us-amerikanischen Menschen zeigen: Und
diese grundsätzliche Haltung ist die Aufrechterhaltung der
Beherrschung, die Verteidigung der Kolonialisierung der Menschen
im Süden.
Die
Raubzüge des Nordens gegenüber dem Süden und das Verhältnis
zur Islamischen Welt -
Die Verfügbarkeit der Frau und ihr Widerstand
Das
Verhältnis des Nordens gegenüber dem Süden war und ist geprägt
durch beständige Aggressionen und Raubzüge, bis zum Versuch
der vollkommenen Kontrolle und Beherrschung. Der Süden, mit
seinem materiellen und kulturellen Reichtum war immer Grundlage
für die Entwicklung des Nordens. Die Kontrolle über die
Islamische Welt war dabei immer wesentliches Ziel. Bis heute
zeigt sich welche Bedeutung die Kontrolle über die Region und
die Menschen in der Arabischen und Islamischen Welt, von Marokko
über Palästina bis nach Indonesien und den Philippinen,
besitzt.
Für die Eroberer war es wichtig die vollkommene Verfügbarkeit
und Kontrolle über die Frauen der angegriffenen Völker zu
erhalten. Der Sieg war in den perversen Vorstellungen des
Eroberers erst dann erreicht, wenn ihm die Frau als sexuelles
Objekt zur Verfügung steht. Dabei waren immer Vergewaltigungen
ein Mittel und Ausdruck dieser Vorstellungen des Mannes, aber
auch in weniger direkten Formen musste diese Verfügbarkeit
erreicht werden: So war auch die Anerkennung des Kolonialisten
als Ehemann durch die Frauen aus den angegriffenen
Gesellschaften ein wesentliches Ziel. Immer wurde auch das
Argument verwendet, dass dadurch den Frauen aus einer für sie
schlechten Situation, einer Kultur und Lebensverhältnissen, die
sie unterdrücken, geholfen werden muss. Damit richtet sich
diese Denkweise rassistisch gegen die Frauen, denen
Hilflosigkeit und vollkommene Abhängigkeit unterstellt wird,
die sich in der Sehnsucht nach dem Kolonialisten ausdrücken
soll. Sie richtet sich auch gegen die Männer der angegriffenen
Gesellschaft, die militärisch geschlagen werden sollten, und
denen Barbarei und Despotismus unterstellt wird. Als drittes
richtet sie sich gegen die eroberte Kultur als Ganzes, da ihr
die eigene Strukturiertheit und Entwicklung, sogar selbst die Überlebensfähigkeit,
abgesprochen wird.
Eine ähnliche Argumentation und Selbstrechtfertigung findet
sich heute bei Sextouristen, die ihre Bedeutung für die
Gesellschaft, die durch vorhergehende Eroberung für die
Auslebung ihrer Phantasien verfügbar gemacht wurde, als Hilfe
und Unterstützung für die Frauen bewerten. Tausende Frauen
werden in den Metropolen als Sexsklavinnen gehandelt. Diese
allgemein bekannte und akzeptierte Situation sollte jedem
Menschen in den Metropolen zum Nachdenken geben, was die
vorgegebene Freiheit der Frau und die Universalität der
Menschenrechte auch bedeuten können. Auch an dieser Erscheinung
des westlichen Rassismus zeigt sich, wie eng die militärische,
ökonomische und kulturelle Eroberung auch mit der Verfügbarkeit
der Frau zusammenhängt. Der vollständige Triumph ist dann
gegeben, wenn die Frauen auf den Invasor mit offenen Armen und
geöffneter Kleidung warten, doch wehe, wenn sie sich dem
verweigern.
Seit den ersten Versuchen der Eroberung und der Überfälle auf
die Völker des Südens waren die Eroberer aber auch mit dem
Willen zur Selbstbestimmung konfrontiert, mit dem Widerstand
gegen die Auslöschung der eigenen Würde. Dieser Widerstand
wurde gerade auch von Frauen getragen. So widersetzten sich die
Frauen in Ostafrika gegen ihre Verschleppung in die Sklaverei
nach Amerika bis zum Äussersten. Angesichts der militärischen
Überlegenheit der Invasoren verbrannten sich die Frauen selbst
in ihren Häusern, um ihre Eigenständigkeit zu wahren, und sich
der Erniedrigung und Verfügbarmachung durch die Kolonialisten
zu entziehen.
Die
Bedrohung der Herrschaft durch die Werte des Islam Die
Männer in den Metropolen glauben, sich die
lateinamerikanischen, die asiatischen, die afrikanischen, die
osteuropäischen Frauen und damit auch Völker unterworfen zu
haben (wobei auch hier die Unsicherheit bleibt: Die Unterwerfung
beruht nur auf einer militärischen und ökonomischen Überlegenheit
und es gibt beständigen Widerstand. Damit bleibt auch das
Misstrauen und der Hass den Frauen gegenüber, was auch immer
wieder zum Vorschein kommt). Al Hijab ist ein klares und nach
Aussen getragenes Bekenntnis der muslimischen Frau zu ihrer
Religion. Die Frau bekennt sich dadurch zu den Verpflichtungen
ihrer Religion und zeigt ihre Verbundenheit zur Gemeinschaft der
Muslime und Muslimas.
Für uns kolonial denkende Europäer und Europäerinnen ist das
entsetzlich: Seit Jahrhunderten versuchen wir, uns und der
ganzen Welt zu zeigen, dass unsere Werte die einzig gültigen
sind, der Krieg, die Eroberungen, die Missionierungen, das alles
sollte den Kolonisierten jegliche Eigenständigkeit rauben,
jegliches Bekenntnis zu einer Identität, ausserhalb der durch
den Kolonialisten vorgegebenen, zerstören. Die muslimische Frau
die sich bedeckt, zeigt, dass nur Gott über ihr steht, sie sich
nur den Regeln ihrer Religion und ihrer Gemeinschaft
verpflichtet fühlt, und nicht der Herrschaft auf der Grundlage
der militärischen Eroberung und Kontrolle. Die Frau entzieht
sich dadurch der Herrschaft des Kolonialisten, sie ist nicht
mehr verfügbar, die Macht ist gebrochen. Eine Bedrohung für
die Herrschaft der Männer ist das Verständnis der Muslimas von
gegenseitiger Solidarität. Der Konkurrenz unter den Frauen,
unter den Bedingungen sich beständig den männlichen
Bewertungskriterien von Schönheit des Körpers auszusetzen,
wird eine Absage erteilt. Nicht die Konkurrenz, das Trennende
soll in den Vordergrund gestellt werden, sondern die
Gemeinsamkeit. Der kolonisierende Mann ist nicht mehr das
absolute Bewertungskriterium, der Richter über Gut und Böse,
über Schön und über Hässlich. Er erfährt keine Anhimmelung
mehr als Mann, keine Anhimmelung mehr als Überbringer von
Weisheit und Fortschritt, er wird auf das zurückgeworfen, was
er ist.
Die nackte Frau scheint kontrollierbar, der Mann kann sie als
schwach und hilflos erkennen. Doch die verschleierte Frau wirft
Fragen auf, es gibt etwas, dass sie dem Eroberer verbirgt und
dadurch wird sie zur Gefahr. Auch auf sexueller Ebene wird das
Problem des kolonial-geprägten Mannes offensichtlich: Die
muslimische Frau verweigert sich, sie stellt sich nicht
bereitwillig dem Mann als Objekt zur Verfügung, konfrontiert
ihn damit Respekt gegenüber Frauen entwickeln zu müssen, sich
mit ihrer und seiner Persönlichkeit auseinandersetzen zu müssen.
Eigentlich würde das eine grosse Chance bieten, einen
respektvollen Umgang zwischen den Geschlechtern zu entwickeln,
einen Weg aus der Degradierung der Frau zu dem Status als Objekt
bzw. als Ware aufzuzeigen. Doch der derart konfrontierte Mann
(und auch die kolonial-geprägte Frau) nimmt das als Bedrohung
wahr, ist nicht in der Lage sich auf die Persönlichkeit
einzulassen, die es ja seiner Meinung nach nicht geben darf. So
möchte er Mittel anwenden, die Frau durch Demütigung und
Beleidigungen wieder verfügbar zu machen. Gar nicht so selten
versuchen Männer muslimischen Frauen direkt das Kopftuch zu
entreissen, oder sie versuchen ihre Phantasien in den
Vorstellungen vom "orientalischen Mann", der unterdrückt,
dem sich die Frauen willenlos unterwerfen und der einen ganzen
Harem dieser "geheimnisvollen" Frauen
"besitzt", auszuleben.
Die
Methoden der Aufrechterhaltung der Beherrschung:
Integration, Spaltung, Vernichtung, Rechtfertigung
Über
lange Zeit konnte die muslimische Identität verschwiegen
werden, die Forderungen wurden nicht gehört, der Islam war als
Projektionsfläche weit weg. Doch die Entwicklungen zeigten,
dass die Muslime und Muslimas sehr wohl Forderungen haben, dass
sie weltweit und dadurch auch hier in Europa nicht nur als
Rohstofflieferanten, billige Arbeitskräfte oder Projektionsfläche
zur Verfügung stehen, sondern eigene Vorstellungen von
Zusammenleben und Kultur haben, die sie für sich leben wollen.
"Sie müssen auf ihre "islamische Rechtsgarantie"
verzichten, wenn sie als Moslems gelten wollen und nicht als
"Islamisten",...." (Hans-Peter-Raddatz, Die
Welt). So beschreibt ein deutscher Intellektueller und
Orientalist diese Situation und seine Vorstellungen von
Integration. Doch es ist zu offensichtlich, wie rassistisch die
Vorstellung ist, dass dieser oder andere Intellektuelle (denen
der Islam aufgrund ihres Lebensverständnisses sehr fern liegt)
bestimmen, was ein richtiger Moslem ist und was nicht, wer
Moslem ist, und wer "Islamist". Deshalb werden auch
arabische und muslimische Stimmen herangezogen. So schreibt
Bassam Tibi: "Europa darf seine Identität nicht verlieren,
sondern muss im Gegenteil der überwiegenden Mehrheit der hier
lebenden Muslime eine neue Identität - ich nenne sie Euro-Islam
geben." (Bassam Tibi, Interview in Tendenzen, Heft 4/99).
Die Existenz der Forderungen und der Menschen, die sie
vertreten, die sich für ihre Selbstbestimmung einsetzen, kann
nicht mehr geleugnet werden. Also wird versucht zu integrieren,
was möglich ist, es wird gespalten in die, die sich anpassen
und die, die das nicht tun, in "gute Moslems" (die ja,
wie mittlerweile zugegeben werden muss, doch nicht alle verrückt
und irrational sind, es gibt auch Muslime, mit denen man reden
kann) und in "Fundamentalisten, Islamisten,
Fanatiker,...", und welche Begriffe sonst noch eingeführt
werden. Es wird versucht diese Spaltungen je nach Gelegenheit
einzubringen, nicht-kopftuchtragend, kopftuchtragend, tschador-
oder burkatragend,
intellektuell-gebildet-liberal-fortschrittlich oder rückständig-konservativ,
euro-islamisch oder orientalisch-fanatisch.
"Kein Wort des Mitgefühls für Afghaninnen, sondern keine
Äusserung." Diesen Vorwurf machte Alice Schwarzer Fereshta
Ludin, weil diese die immer wieder verlangte Spaltung und
Distanzierung nicht erfüllte, sie nicht das sagte, was Alice
Schwarzer und mit ihr so viele andere Europäer und Europäerinnen
hören wollen. Frau Fereshta Ludin gehört also zu den Bösen,
zu den Islamisten, zu denen, die Frauen unterdrücken. So
einfach scheint diese Spaltung zu gehen. Jeder Muslim und jede
Muslima hat sich zuallererst zu rechtfertigen, hat durch Gewehr,
Verfassungsgesetz oder Einwanderungsbehörde unter Druck gesetzt
seine Loyalität zu den Werten der Eroberer oder "Asylgeber"zu
bekennen. Die Selbstverständlichkeit dieses Vorganges und seine
Anerkennung geben einen Hinweis darauf, wie allgemein akzeptiert
dieses Herrschaftsverhältnis ist.
Ein weiteres Mittel um diese Herrschaftverhältnisse zu
legitimieren ist ihre Verdrehung. Es wird nicht die beständige
Aggression des Westens gegenüber der Muslimischen Gemeinschaft
gesehen, sondern umgekehrt, die Muslime sollen uns bedrohen. Die
militärische Eroberung und Besetzung, das beständige ökonomische
Aussaugen, die Zerstörung der Gesellschaftsstrukturen und der
Kultur wird vollkommen umgedreht. Nicht die Armeen der Kolonialländer
zerstörten die Gesellschaften, sondern die Metropolen sind in
Gefahr durch Überfremdung und nicht integrierte
Migrationsströme,
nicht die Kolonialländer zwingen der Welt ihr ausbeuterisches
Gesellschaftssystem auf, mit all den Folgen und der Vernichtung
ganzer Kulturen, sondern die "Islamisten" wollen das
"westlich demokratische Modell" durch die Einführung
der Scharia ersetzen. Alice Schwarzer geht soweit, das Kopftuch
mit dem Hakenkreuz zu vergleichen und von einem
"islamischen Kreuzzug" zu sprechen. Eine interessante
Frage, welche Auswirkungen und Ursachen dieses Übertragen von
zutiefst europäischen Erscheinungen auf die den europäischen
und us-amerikanischen Bedrohungen Ausgesetzten hat bzw. haben
soll.
Die
Diskussion und das Gefühl der Bedrohung zeigt aber auch wie
erschütterbar die Überzeugung von der eigenen moralischen Überlegenheit
und der Universalität der westlichen Werte ist. So wird durch
die Selbstbestimmung die Herrschaft und damit auch die gesamte
Persönlichkeit der Menschen hier bedroht. Was sich nicht
integrieren lässt, was sich dem Zugriff und der Kontrolle
verweigert, muss verhindert werden und muss vernichtet werden.
Die Propaganda für die Kriege gegen Muslime und Muslimas und für
die Repression gegen sie in Europa und in den USA wird
bereitwillig angenommen. Die Bedrohung der Herrschaft bringt
viele Menschen auf die Seite derer, die sie mit militärischen
Mitteln aufrechterhalten. Diese Erscheinung zeigt sich auch in
der Diskussion um das Kopftuch und die Bedeckung der
muslimischen Frau. Die Frau, die sich der Herrschaft entzieht,
die den Assimilationssversuchen widersteht, muss vernichtet,
gedemütigt und erniedrigt werden. Silvio Berlusconi versuchte
das vorzuzeigen, indem er die Muslima Reyyan Uzuner bei ihrer
Hochzeit mit Bilal Erdogan, dem Sohn des türkischen Ministerpräsidenten,
mit körperlicher Kraft dazu zwang, sich von ihm die Hand küssen
zu lassen, obwohl sie das offensichtlich verweigerte. Der Islam
ist nach Aussagen Berlusconis der westlich-christlichen
Zivilisation unterlegen. Sich dessen wieder zu versichern, in
der Verzweiflung und Angst, dass sich muslimische Frauen ihm
gegenüber nicht unterlegen fühlen könnten, sich nicht von
seinem Gehabe und Reichtum beindrucken lassen könnten, war das
Ziel. Durch die persönliche Beleidigung und Abrechnung mit
einer muslimischen Frau. Der bedeutende algerische Psychiater
und Schriftsteller Frantz Fanon schrieb, dass es sich bei dem
Wunsch dieser Erniedrigung und Demütigung um
Vergewaltigungsphantasien handelt, die auch den Gedanken des
Mannes, der Frau das Kopftuch zu nehmen um sie wieder verfügbar
zu machen, zugrunde liegen.
Der koloniale Eroberer kann das Land kontrollieren, er kann die
Rohstoffe stehlen, er kann Arbeitskräfte verschleppen und Ideen
entstellen. Und dennoch: Die muslimische Frau, die Respekt
einfordert, die sich ihrer Religion und ihrer Gemeinschaft
verbunden fühlt und sich als eigenständiger Mensch weist,
zeigt beständig, dass seine Herrschaft nicht vollkommen ist,
zeigt beständig, auf welch wackligen Beinen diese Herrschaft
steht, so brutal sie auch sein mag. Die Frau, die sich dieser
Herrschaft entzieht, wird so eine feste Stütze ihrer
Gemeinschaft und ihres Volkes, sie zeigt von Selbstbestimmung, Würde
und eigenen Werten.
Zusammenfassung
und Schluss
Die
Geschichte der kolonialen Eroberungen und die beständige
Herrschaft und Aggression der Metropolen gegenüber dem Süden
zeigen Spuren in der Persönlichkeit, in den Gedanken und
Theorien der Metropolen. Das reicht von Legitimation der eigenen
Herrschaft durch "wissenschaftliche" Erkenntnisse, über
den beständigen Versuch von Integration und Spaltung, bis hin
zu direkten Vernichtungsphantasien und Angriffen gegenüber den
Menschen im Süden. Diese rassistischen und eurozentristischen
Denkmuster finden sich in jeder Stellungnahme und Meinungsäusserung
wieder. Jeglicher Blick auf politische und gesellschaftliche
Ereignisse muss hinterfragt werden: Inwieweit verbirgt sich
darin die Legitimation oder Verschleierung der herrschenden
Weltordnung des Hungers und der realen Herrschaftsverhältnisse.
Die europäischen Menschen könnten viel lernen von den Frauen,
die in der Türkei für ihr Recht auf Al Hijab und für ihre
Religion und ihre Befreiung eintreten. Mit ihren
Demonstrationen, Aktivitäten und Kampagnen nahmen sie dafür
den Rausschmiss aus der Universität und das Exil in Westeuropa
in Kauf. Oder sie könnten lernen von den Frauen in Tunesien und
Algerien, die für ihr Recht Gefängnisstrafen hinnehmen. Der
Einsatz dieser Frauen hier in Europa beginnt auch uns Europäerinnen
und Europäern die Augen zu öffnen über unsere Geschichte und
darüber, was Respekt im Gegensatz zur westlichen Kultur der
Expansion und Vernichtung bedeuten kann. Tausende Fragen werden
dadurch aufgeworfen.
Die plumpe Arroganz, mit der unsere muslimischen Freunde und
Freundinnen täglich konfrontiert werden, wird diese Möglichkeiten
verbauen. Wie fehl am Platz sind hier Versuche der Assimilation,
der Universalisierung der eigenen Vorstellungen oder der
Missionierung. Im Gegensatz dazu kann Bescheidenheit und
Offenheit, die Anerkennung der Geduld und der tiefen
menschlichen Verbundenheit der Menschen aus dem Süden, die
trotz der Jahrhunderte der Angriffe die Brücken nicht
abgebrochen haben und ein Leben in gegenseitigem Respekt wollen,
auch für Befreiung, Emanzipation und Selbstverständnis der
Frauen hier in Europa entscheidende Richtungen vorgeben.
Wien,
September 2003
www.sedunia.org
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