Palästina Plattform Österreich Palästina

StaatswappenNationalflagge

Nationalfeiertag: 15. November
Zeitzone: MEZ + 1 h
Telefon-Vorwahl: +970
Olympiakürzel: PLE
Hymne anhören
Aktuelle Nachrichten: Arabisch ++ Deutsch ++ Englisch

 

Aktuelles

 

Bilder
Berichte
Termine
Projekte
Kampagnen

Archiv

Interessantes

 

Rezepte
Gedichte
Spenden
Shopping
Leserbriefe
Daten & Fakten

 

Palästina Info

 

Geschichte
Geographie
Politik
Gesundheit
Bildung
Wirtschaft
Verkehr
Kommunikation
Tourismus
Kunst
Folklore
Film
Musik
Literatur

 

Links

 

Arabische
Deutsche
Englische

 

Kontakt

 

PGO
PAAV
GUPS
Botschaft
Impressum

 

Startseite

 

Suche

 

 

ý 2001-2007 Palästina Plattform Österreich.

 

Artikel und Meinungen auf dieser Seite, die nicht direkt von der Palästinensischen Gemeinde Österreich stammen, müssen nicht unbedingt der Meinung der Palästinensischen Gemeinde Österreich entsprechen. Alle Rechte vorbehalten.

 

Verschleierte Realität ?

Stellungnahme von Sedunia anlässlich der in Europa geführten Diskussion um Al Hijab (Bedeckung, "Kopftuch")

Einleitung

 

Die Diskussion um Al Hijab (Die Bedeckung ihres Körpers durch die islamische Frau) in der europäischen Öffentlichkeit zeigt wichtige Aspekte über die Beziehung zwischen der europäisch-westlichen und der Islamischen Welt auf. In verschiedenen europäischen Staaten ist es Muslimas, die Kopftuch tragen, verboten, Berufe in öffentlichen Ämtern auszuüben, wie z.B das Lehramt an öffentlichen Schulen. Muslimische Frauen sind bei Behördengängen und Arbeitssuche oft diskriminiert, oder durch beleidigende Blicke oder Belästigungen dem Versuch der Herabsetzung ausgesetzt. In Deutschland wird im Herbst das Verfassungsgericht eine Entscheidung bezüglich der Muslima Fereshta Ludin treffen, die an einer öffentlichen Schule unterrichten möchte, und der das bisher aufgrund des für sie selbstverständlichen Tragens eines Kopftuches untersagt ist. Eine Argumentation, die vom Kultusministerium gegen die Anstellung von Frau Ludin angeführt wurde, und die auch vom Verfassungsgericht als wesentliches Argument berücksichtigt wird, ist die des Verstoßes gegen das Neutralitätsprinzip. Durch das Tragen des Kopftuches verstößt eine Lehrerin gegen die Verpflichtung zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität.


In der Vehemenz der Diskussion und in einem offensichtlichen Gefühl wirklicher Bedrohung werden aber vor allem andere bekannte kulturrassistische und islamfeindliche Argumente eingesetzt: Durch Al Hijab versuchen "islamische Fundamentalisten" die Scharia in Europa einzuführen und die westliche Kultur, die Universalität der Menschenrechte, muss dagegen verteidigt werden. Immer wieder wird die Unterdrückung der Frau als Argument angeführt, von den offen rassistischen Gesprächen auf der Strasse und in der U-Bahn bis hin zu den intellektuellen Verteidigern und Verteidigerinnen der "westlichen Leitkultur", wie Alice Schwarzer oder Oriella Fallaci.
Diese Angst um die westlichen Werte - Menschenrechte, Demokratieverständnis, Kultur, - und die vorgegebene Verteidigung der islamischen Frau, und damit das verzweifelte Festhalten an der eigenen moralischen Überlegenheit, sind Erscheinungen, die von der grundsätzlichen Haltung und Position der europäischen und us-amerikanischen Menschen zeigen: Und diese grundsätzliche Haltung ist die Aufrechterhaltung der Beherrschung, die Verteidigung der Kolonialisierung der Menschen im Süden.

Die Raubzüge des Nordens gegenüber dem Süden und das Verhältnis zur Islamischen Welt -
Die Verfügbarkeit der Frau und ihr Widerstand

Das Verhältnis des Nordens gegenüber dem Süden war und ist geprägt durch beständige Aggressionen und Raubzüge, bis zum Versuch der vollkommenen Kontrolle und Beherrschung. Der Süden, mit seinem materiellen und kulturellen Reichtum war immer Grundlage für die Entwicklung des Nordens. Die Kontrolle über die Islamische Welt war dabei immer wesentliches Ziel. Bis heute zeigt sich welche Bedeutung die Kontrolle über die Region und die Menschen in der Arabischen und Islamischen Welt, von Marokko über Palästina bis nach Indonesien und den Philippinen, besitzt.


Für die Eroberer war es wichtig die vollkommene Verfügbarkeit und Kontrolle über die Frauen der angegriffenen Völker zu erhalten. Der Sieg war in den perversen Vorstellungen des Eroberers erst dann erreicht, wenn ihm die Frau als sexuelles Objekt zur Verfügung steht. Dabei waren immer Vergewaltigungen ein Mittel und Ausdruck dieser Vorstellungen des Mannes, aber auch in weniger direkten Formen musste diese Verfügbarkeit erreicht werden: So war auch die Anerkennung des Kolonialisten als Ehemann durch die Frauen aus den angegriffenen Gesellschaften ein wesentliches Ziel. Immer wurde auch das Argument verwendet, dass dadurch den Frauen aus einer für sie schlechten Situation, einer Kultur und Lebensverhältnissen, die sie unterdrücken, geholfen werden muss. Damit richtet sich diese Denkweise rassistisch gegen die Frauen, denen Hilflosigkeit und vollkommene Abhängigkeit unterstellt wird, die sich in der Sehnsucht nach dem Kolonialisten ausdrücken soll. Sie richtet sich auch gegen die Männer der angegriffenen Gesellschaft, die militärisch geschlagen werden sollten, und denen Barbarei und Despotismus unterstellt wird. Als drittes richtet sie sich gegen die eroberte Kultur als Ganzes, da ihr die eigene Strukturiertheit und Entwicklung, sogar selbst die Überlebensfähigkeit, abgesprochen wird.


Eine ähnliche Argumentation und Selbstrechtfertigung findet sich heute bei Sextouristen, die ihre Bedeutung für die Gesellschaft, die durch vorhergehende Eroberung für die Auslebung ihrer Phantasien verfügbar gemacht wurde, als Hilfe und Unterstützung für die Frauen bewerten. Tausende Frauen werden in den Metropolen als Sexsklavinnen gehandelt. Diese allgemein bekannte und akzeptierte Situation sollte jedem Menschen in den Metropolen zum Nachdenken geben, was die vorgegebene Freiheit der Frau und die Universalität der Menschenrechte auch bedeuten können. Auch an dieser Erscheinung des westlichen Rassismus zeigt sich, wie eng die militärische, ökonomische und kulturelle Eroberung auch mit der Verfügbarkeit der Frau zusammenhängt. Der vollständige Triumph ist dann gegeben, wenn die Frauen auf den Invasor mit offenen Armen und geöffneter Kleidung warten, doch wehe, wenn sie sich dem verweigern.

 

Seit den ersten Versuchen der Eroberung und der Überfälle auf die Völker des Südens waren die Eroberer aber auch mit dem Willen zur Selbstbestimmung konfrontiert, mit dem Widerstand gegen die Auslöschung der eigenen Würde. Dieser Widerstand wurde gerade auch von Frauen getragen. So widersetzten sich die Frauen in Ostafrika gegen ihre Verschleppung in die Sklaverei nach Amerika bis zum Äussersten. Angesichts der militärischen Überlegenheit der Invasoren verbrannten sich die Frauen selbst in ihren Häusern, um ihre Eigenständigkeit zu wahren, und sich der Erniedrigung und Verfügbarmachung durch die Kolonialisten zu entziehen. 

 

Die Bedrohung der Herrschaft durch die Werte des Islam Die Männer in den Metropolen glauben, sich die lateinamerikanischen, die asiatischen, die afrikanischen, die osteuropäischen Frauen und damit auch Völker unterworfen zu haben (wobei auch hier die Unsicherheit bleibt: Die Unterwerfung beruht nur auf einer militärischen und ökonomischen Überlegenheit und es gibt beständigen Widerstand. Damit bleibt auch das Misstrauen und der Hass den Frauen gegenüber, was auch immer wieder zum Vorschein kommt). Al Hijab ist ein klares und nach Aussen getragenes Bekenntnis der muslimischen Frau zu ihrer Religion. Die Frau bekennt sich dadurch zu den Verpflichtungen ihrer Religion und zeigt ihre Verbundenheit zur Gemeinschaft der Muslime und Muslimas.

 

Für uns kolonial denkende Europäer und Europäerinnen ist das entsetzlich: Seit Jahrhunderten versuchen wir, uns und der ganzen Welt zu zeigen, dass unsere Werte die einzig gültigen sind, der Krieg, die Eroberungen, die Missionierungen, das alles sollte den Kolonisierten jegliche Eigenständigkeit rauben, jegliches Bekenntnis zu einer Identität, ausserhalb der durch den Kolonialisten vorgegebenen, zerstören. Die muslimische Frau die sich bedeckt, zeigt, dass nur Gott über ihr steht, sie sich nur den Regeln ihrer Religion und ihrer Gemeinschaft verpflichtet fühlt, und nicht der Herrschaft auf der Grundlage der militärischen Eroberung und Kontrolle. Die Frau entzieht sich dadurch der Herrschaft des Kolonialisten, sie ist nicht mehr verfügbar, die Macht ist gebrochen. Eine Bedrohung für die Herrschaft der Männer ist das Verständnis der Muslimas von gegenseitiger Solidarität. Der Konkurrenz unter den Frauen, unter den Bedingungen sich beständig den männlichen Bewertungskriterien von Schönheit des Körpers auszusetzen, wird eine Absage erteilt. Nicht die Konkurrenz, das Trennende soll in den Vordergrund gestellt werden, sondern die Gemeinsamkeit. Der kolonisierende Mann ist nicht mehr das absolute Bewertungskriterium, der Richter über Gut und Böse, über Schön und über Hässlich. Er erfährt keine Anhimmelung mehr als Mann, keine Anhimmelung mehr als Überbringer von Weisheit und Fortschritt, er wird auf das zurückgeworfen, was er ist.

Die nackte Frau scheint kontrollierbar, der Mann kann sie als schwach und hilflos erkennen. Doch die verschleierte Frau wirft Fragen auf, es gibt etwas, dass sie dem Eroberer verbirgt und dadurch wird sie zur Gefahr. Auch auf sexueller Ebene wird das Problem des kolonial-geprägten Mannes offensichtlich: Die muslimische Frau verweigert sich, sie stellt sich nicht bereitwillig dem Mann als Objekt zur Verfügung, konfrontiert ihn damit Respekt gegenüber Frauen entwickeln zu müssen, sich mit ihrer und seiner Persönlichkeit auseinandersetzen zu müssen.

 

Eigentlich würde das eine grosse Chance bieten, einen respektvollen Umgang zwischen den Geschlechtern zu entwickeln, einen Weg aus der Degradierung der Frau zu dem Status als Objekt bzw. als Ware aufzuzeigen. Doch der derart konfrontierte Mann (und auch die kolonial-geprägte Frau) nimmt das als Bedrohung wahr, ist nicht in der Lage sich auf die Persönlichkeit einzulassen, die es ja seiner Meinung nach nicht geben darf. So möchte er Mittel anwenden, die Frau durch Demütigung und Beleidigungen wieder verfügbar zu machen. Gar nicht so selten versuchen Männer muslimischen Frauen direkt das Kopftuch zu entreissen, oder sie versuchen ihre Phantasien in den Vorstellungen vom "orientalischen Mann", der unterdrückt, dem sich die Frauen willenlos unterwerfen und der einen ganzen Harem dieser "geheimnisvollen" Frauen "besitzt", auszuleben.

 

Die Methoden der Aufrechterhaltung der Beherrschung:
Integration, Spaltung, Vernichtung, Rechtfertigung

Über lange Zeit konnte die muslimische Identität verschwiegen werden, die Forderungen wurden nicht gehört, der Islam war als Projektionsfläche weit weg. Doch die Entwicklungen zeigten, dass die Muslime und Muslimas sehr wohl Forderungen haben, dass sie weltweit und dadurch auch hier in Europa nicht nur als Rohstofflieferanten, billige Arbeitskräfte oder Projektionsfläche zur Verfügung stehen, sondern eigene Vorstellungen von Zusammenleben und Kultur haben, die sie für sich leben wollen.

 

"Sie müssen auf ihre "islamische Rechtsgarantie" verzichten, wenn sie als Moslems gelten wollen und nicht als "Islamisten",...." (Hans-Peter-Raddatz, Die Welt). So beschreibt ein deutscher Intellektueller und Orientalist diese Situation und seine Vorstellungen von Integration. Doch es ist zu offensichtlich, wie rassistisch die Vorstellung ist, dass dieser oder andere Intellektuelle (denen der Islam aufgrund ihres Lebensverständnisses sehr fern liegt) bestimmen, was ein richtiger Moslem ist und was nicht, wer Moslem ist, und wer "Islamist". Deshalb werden auch arabische und muslimische Stimmen herangezogen. So schreibt Bassam Tibi: "Europa darf seine Identität nicht verlieren, sondern muss im Gegenteil der überwiegenden Mehrheit der hier lebenden Muslime eine neue Identität - ich nenne sie Euro-Islam geben." (Bassam Tibi, Interview in Tendenzen, Heft 4/99). Die Existenz der Forderungen und der Menschen, die sie vertreten, die sich für ihre Selbstbestimmung einsetzen, kann nicht mehr geleugnet werden. Also wird versucht zu integrieren, was möglich ist, es wird gespalten in die, die sich anpassen und die, die das nicht tun, in "gute Moslems" (die ja, wie mittlerweile zugegeben werden muss, doch nicht alle verrückt und irrational sind, es gibt auch Muslime, mit denen man reden kann) und in "Fundamentalisten, Islamisten, Fanatiker,...", und welche Begriffe sonst noch eingeführt werden. Es wird versucht diese Spaltungen je nach Gelegenheit einzubringen, nicht-kopftuchtragend, kopftuchtragend, tschador- oder burkatragend, intellektuell-gebildet-liberal-fortschrittlich oder rückständig-konservativ, euro-islamisch oder orientalisch-fanatisch.

 

"Kein Wort des Mitgefühls für Afghaninnen, sondern keine Äusserung." Diesen Vorwurf machte Alice Schwarzer Fereshta Ludin, weil diese die immer wieder verlangte Spaltung und Distanzierung nicht erfüllte, sie nicht das sagte, was Alice Schwarzer und mit ihr so viele andere Europäer und Europäerinnen hören wollen. Frau Fereshta Ludin gehört also zu den Bösen, zu den Islamisten, zu denen, die Frauen unterdrücken. So einfach scheint diese Spaltung zu gehen. Jeder Muslim und jede Muslima hat sich zuallererst zu rechtfertigen, hat durch Gewehr, Verfassungsgesetz oder Einwanderungsbehörde unter Druck gesetzt seine Loyalität zu den Werten der Eroberer oder "Asylgeber"zu bekennen. Die Selbstverständlichkeit dieses Vorganges und seine Anerkennung geben einen Hinweis darauf, wie allgemein akzeptiert dieses Herrschaftsverhältnis ist.

 

Ein weiteres Mittel um diese Herrschaftverhältnisse zu legitimieren ist ihre Verdrehung. Es wird nicht die beständige Aggression des Westens gegenüber der Muslimischen Gemeinschaft gesehen, sondern umgekehrt, die Muslime sollen uns bedrohen. Die militärische Eroberung und Besetzung, das beständige ökonomische Aussaugen, die Zerstörung der Gesellschaftsstrukturen und der Kultur wird vollkommen umgedreht. Nicht die Armeen der Kolonialländer zerstörten die Gesellschaften, sondern die Metropolen sind in Gefahr durch Überfremdung und nicht integrierte Migrationsströme, nicht die Kolonialländer zwingen der Welt ihr ausbeuterisches Gesellschaftssystem auf, mit all den Folgen und der Vernichtung ganzer Kulturen, sondern die "Islamisten" wollen das "westlich demokratische Modell" durch die Einführung der Scharia ersetzen. Alice Schwarzer geht soweit, das Kopftuch mit dem Hakenkreuz zu vergleichen und von einem "islamischen Kreuzzug" zu sprechen. Eine interessante Frage, welche Auswirkungen und Ursachen dieses Übertragen von zutiefst europäischen Erscheinungen auf die den europäischen und us-amerikanischen Bedrohungen Ausgesetzten hat bzw. haben soll.

 

Die Diskussion und das Gefühl der Bedrohung zeigt aber auch wie erschütterbar die Überzeugung von der eigenen moralischen Überlegenheit und der Universalität der westlichen Werte ist. So wird durch die Selbstbestimmung die Herrschaft und damit auch die gesamte Persönlichkeit der Menschen hier bedroht. Was sich nicht integrieren lässt, was sich dem Zugriff und der Kontrolle verweigert, muss verhindert werden und muss vernichtet werden. Die Propaganda für die Kriege gegen Muslime und Muslimas und für die Repression gegen sie in Europa und in den USA wird bereitwillig angenommen. Die Bedrohung der Herrschaft bringt viele Menschen auf die Seite derer, die sie mit militärischen Mitteln aufrechterhalten. Diese Erscheinung zeigt sich auch in der Diskussion um das Kopftuch und die Bedeckung der muslimischen Frau. Die Frau, die sich der Herrschaft entzieht, die den Assimilationssversuchen widersteht, muss vernichtet, gedemütigt und erniedrigt werden. Silvio Berlusconi versuchte das vorzuzeigen, indem er die Muslima Reyyan Uzuner bei ihrer Hochzeit mit Bilal Erdogan, dem Sohn des türkischen Ministerpräsidenten, mit körperlicher Kraft dazu zwang, sich von ihm die Hand küssen zu lassen, obwohl sie das offensichtlich verweigerte. Der Islam ist nach Aussagen Berlusconis der westlich-christlichen Zivilisation unterlegen. Sich dessen wieder zu versichern, in der Verzweiflung und Angst, dass sich muslimische Frauen ihm gegenüber nicht unterlegen fühlen könnten, sich nicht von seinem Gehabe und Reichtum beindrucken lassen könnten, war das Ziel. Durch die persönliche Beleidigung und Abrechnung mit einer muslimischen Frau. Der bedeutende algerische Psychiater und Schriftsteller Frantz Fanon schrieb, dass es sich bei dem Wunsch dieser Erniedrigung und Demütigung um Vergewaltigungsphantasien handelt, die auch den Gedanken des Mannes, der Frau das Kopftuch zu nehmen um sie wieder verfügbar zu machen, zugrunde liegen.

 

Der koloniale Eroberer kann das Land kontrollieren, er kann die Rohstoffe stehlen, er kann Arbeitskräfte verschleppen und Ideen entstellen. Und dennoch: Die muslimische Frau, die Respekt einfordert, die sich ihrer Religion und ihrer Gemeinschaft verbunden fühlt und sich als eigenständiger Mensch weist, zeigt beständig, dass seine Herrschaft nicht vollkommen ist, zeigt beständig, auf welch wackligen Beinen diese Herrschaft steht, so brutal sie auch sein mag. Die Frau, die sich dieser Herrschaft entzieht, wird so eine feste Stütze ihrer Gemeinschaft und ihres Volkes, sie zeigt von Selbstbestimmung, Würde und eigenen Werten.

 

Zusammenfassung und Schluss

 

Die Geschichte der kolonialen Eroberungen und die beständige Herrschaft und Aggression der Metropolen gegenüber dem Süden zeigen Spuren in der Persönlichkeit, in den Gedanken und Theorien der Metropolen. Das reicht von Legitimation der eigenen Herrschaft durch "wissenschaftliche" Erkenntnisse, über den beständigen Versuch von Integration und Spaltung, bis hin zu direkten Vernichtungsphantasien und Angriffen gegenüber den Menschen im Süden. Diese rassistischen und eurozentristischen Denkmuster finden sich in jeder Stellungnahme und Meinungsäusserung wieder. Jeglicher Blick auf politische und gesellschaftliche Ereignisse muss hinterfragt werden: Inwieweit verbirgt sich darin die Legitimation oder Verschleierung der herrschenden Weltordnung des Hungers und der realen Herrschaftsverhältnisse. Die europäischen Menschen könnten viel lernen von den Frauen, die in der Türkei für ihr Recht auf Al Hijab und für ihre Religion und ihre Befreiung eintreten. Mit ihren Demonstrationen, Aktivitäten und Kampagnen nahmen sie dafür den Rausschmiss aus der Universität und das Exil in Westeuropa in Kauf. Oder sie könnten lernen von den Frauen in Tunesien und Algerien, die für ihr Recht Gefängnisstrafen hinnehmen. Der Einsatz dieser Frauen hier in Europa beginnt auch uns Europäerinnen und Europäern die Augen zu öffnen über unsere Geschichte und darüber, was Respekt im Gegensatz zur westlichen Kultur der Expansion und Vernichtung bedeuten kann. Tausende Fragen werden dadurch aufgeworfen.

 

Die plumpe Arroganz, mit der unsere muslimischen Freunde und Freundinnen täglich konfrontiert werden, wird diese Möglichkeiten verbauen. Wie fehl am Platz sind hier Versuche der Assimilation, der Universalisierung der eigenen Vorstellungen oder der Missionierung. Im Gegensatz dazu kann Bescheidenheit und Offenheit, die Anerkennung der Geduld und der tiefen menschlichen Verbundenheit der Menschen aus dem Süden, die trotz der Jahrhunderte der Angriffe die Brücken nicht abgebrochen haben und ein Leben in gegenseitigem Respekt wollen, auch für Befreiung, Emanzipation und Selbstverständnis der Frauen hier in Europa entscheidende Richtungen vorgeben.

 

Wien, September 2003

 

www.sedunia.org

 

zurück

 

 

 

 

Live aus Palästina:

 

Ajyal Radio- Palestine

 

You need Real Player: Download

 

Newsletter abbonnieren:

 

Aktuelles

 

Aktuelle Nachrichten: Arabisch ++ Deutsch ++ Englisch

 

Empfehlungen

 

Al-Fayrooz

Restaurant & Lounge

Dr. Karl Lueger Ring 8

A-1010 Wien

Tel.: 01/533-84-11

www.alfayrooz.at

 

Pizzeria Il Castello - Cafe Segafredo

Pfarrgasse 5

A-2500 Baden

täglich: 11 bis 23 Uhr

 

Mag. Hazem Arafeh

geprüfter Versicherungsfachmann

Mobil: 0676/359-12-90

 

Computer Express - Ing. Hisham El-Kilany

Brigittenauer Lände 38/3

A-1200 Wien

Mobill: 0650/814-46-96

 

Rechtsanwältin

Mag. Chhadeh Renua

Goldschmiedgasse 8

A-1010 Wien

Tel.: 0650/5000-559

E-Mail: anwaltrecht1@chello.at